Christoph Daum im Riverboat: "Ich bin kein Ossi, ich bin ein Sachse!"

Leipzig - Er ist eine Trainer-Legende, wurde fast Bundestrainer und machte mit einer Drogen-Affäre Schlagzeilen - das ist 20 Jahre her. Seitdem ist bei Christoph Daum (67) viel passiert. Unter anderem schrieb er ein Buch. "Mein Aufstieg, mein Fall - Die ganze Geschichte meines Lebens" heißt es. Über sein Werk sprach Daum im MDR Riverboat, aber auch und vor allem darüber, warum er stolz ist, ein Sachse zu sein.

Zu Gast im Riverboat: Christoph Daum (67) erinnert sich an seine Herkunft.
Zu Gast im Riverboat: Christoph Daum (67) erinnert sich an seine Herkunft.  © Screenshot/MDR

Denn, was manchen vielleicht überrascht: Christoph Daum wurde in Zwickau geboren, wuchs im erzgebirgischen Oelsnitz auf. "Da haben jetzt wirklich viele Leute gestaunt, als sie gehört haben: Der Daum kommt aus Sachsen", stellt auch Riverboat-Moderatorin Kim Fisher (51) fest. "Sie selber sagen: 'Ich bin kein Ossi, ich bin ein Sachse'." 

Daums Antwort überrascht. "So ist es, weil die Geschichte der Sachsen unglaublich ist. Erfinderpatente - kolossal! Die sind in die ganze Welt gegangen. Und insofern bin ich stolz drauf!"

An seine Kindheit in Oelsnitz erinnert er sich noch heute. "Das Erzgebirge ist in meinen Erinnerungen ein Ort, wo die Menschen viele Entbehrungen auf sich genommen haben, aber durch den Zusammenhalt vieles gemeinsam getragen und gelöst haben", so Daum. 

"Wir haben in der Oberen Hauptstraße 53 gewohnt und ich komme aus einer Bäcker-Dynastie. Drei Brüder hatten Bäckerläden und einer auch eine Landwirtschaft. Dort wurden die Abfälle an Schweine verfüttert. Wir hatten uns fast autark versorgen können."

Missverständnisse mit Ulf Kirsten

Christoph Daum (67) ist stolz ein Sachse zu sein.
Christoph Daum (67) ist stolz ein Sachse zu sein.  © Screenshot/MDR

In jungen Jahren musste der Ex-Trainer der rumänischen Nationalmannschaft schon viel durchmachen, er wuchs bei seiner Oma auf, seine Eltern zogen in den Ruhrpott. 

"Es fiel in diese Zeit auch der Tod meines leiblichen Vaters. Der war Ausbilder einer HO-Organisation und wollte in den Westen und sollte eine Fortbildung machen. Er ist in den Bergbau gegangen, um das Geld dafür zu verdienen und war Hauer unter Tage. Ein Steinschlag hat ihm die Wirbelsäule zerhauen, er hat noch ein Dreivierteljahr mit Morphium durchgehalten."

Aufgrund der politischen Lage blieben seine Eltern im Westen, nach dem Tod seines Vaters zog Daum (damals sechs Jahre alt) mit seiner Oma ebenfalls in den Ruhrpott. Die Familie ließ sich in Duisburg nieder.

Als Fußballtrainer war Daum vor allem für seine ungewöhnlichen Methoden bekannt. 

"Sie haben schon immer alles mitgeschrieben: Erinnerungen, Gespräche und haben Tagebücher geführt. Auch Gespräche mit Spielern haben Sie währenddessen mitgeschrieben. Das hat zu Missverständnissen geführt", bemerkte Fisher in der Talkrunde. "Ich glaube, für Ulf Kirsten muss das missverständlich gewesen sein", erinnert sich Daum. "In der Tat ist die Schriftlichkeit für mich ganz wichtig und hat mir auch schon oft den Arsch gerettet, wenn ich dann sagen konnte: 'Aber so war das Protokoll'. So konnte ich das dann oft lebensrettend vorlegen. Natürlich habe ich mit allen Spielern immer gesprochen und habe mir Notizen gemacht."

Aber besonders für Kirsten (54) war das schwierig. "Im Laufe der Jahre kann man sich ja nicht alles merken und manchmal sind die Dinge auch ähnlich mit kleinen Abweichungen und diese Details machen dann oft den Unterschied aus", so Daum. 

"Ich habe also bei den Gesprächen immer Notizen gemacht, was eigentlich kein Spieler moniert hat. Und dann kam ich nach Leverkusen und Ulf Kirsten saß mir mit verschränkten Armen gegenüber. Und ich dachte: 'Mensch, habe ich nicht die richtigen Fragen gestellt?' Zugeknöpft war er. Beim nächsten Mal: das Gleiche. Bis er dann außerhalb des Gespräches sagte: 'Wissen Sie was, Trainer? Früher, bei uns in der DDR hatten wir immer einen, der wurde geholt und hat die Gespräche mitgeschrieben. Und der war von der Stasi', erinnert sich Daum.

"Und da ging mir ein großes Licht auf. Das war mir gar nicht bewusst. Einige hatten da ja traumatische Erlebnisse damit. Und ab da habe ich den Stift beiseite gelegt und meine Notizen hinterher aus meinem Gedächtnis gemacht."

Titelfoto: Screenshot/MDR

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