Drei Jahre nach dem Koma: Kristina Vogel (30) holt ihr Unfall-Fahrrad nach Hause

Leipzig - 2018 erlitt Bahnrad-Sportlerin Kristina Vogel (30) einen schweren Trainingsunfall und war danach querschnittsgelähmt. Drei Jahre später bot die Polizei der heutigen Kommunalpolitikerin an, ihr Unfallfahrrad entgegenzunehmen - was sie damit vorhat und warum ihr Lebensgefährte das Rad nicht mehr sehen möchte, verriet Vogel am Freitag im MDR-Riverboat.

Hat sich ihr Unfall-Fahrrad mit nach hause genommen: Ex-Radsportlerin Kristina Vogel (30).
Hat sich ihr Unfall-Fahrrad mit nach hause genommen: Ex-Radsportlerin Kristina Vogel (30).  © Screenshot MDR Riverboat

Rund drei Jahre nach dem schlimmen Unfall im Cottbusser Radstadion war das Beweisverfahren rund um den Vorfall gänzlich abgeschlossen - Vogel war damals mit einem niederländischen Radsportler zusammengestoßen und hatte einen Trümmerbruch des Brustbeins sowie eine schwere Wirbelsäulenverletzung erlitten.

Ihrem Trainingsrad von damals stand die 30-Jährige mit gemischten Gefühlen gegenüber.

"Ich dachte: Ich nehme das mit nach Hause und gucke mal, was ich damit mache. Für mich war es interessant zu sehen, welche Kräfte da gewaltet haben. Ich bin mit über 60 km/h auf jemanden draufgeknallt, der stand. Ich meine, gut, dass das Fahrrad so gebrochen ist, denn die Energie wäre sonst auf mich übertragen worden", berichtete Kristina Vogel in der Riverboat-Talkrunde.

Ihr Lebensgefährte fand das Relikt aus der Vergangenheit nicht ganz so interessant. "Ich habe es erst einmal in den Keller gestellt, denn er will es wirklich nicht sehen. Es stimmt ja auch: Er hat ja auch viel mitgemacht in dieser Zeit direkt nach dem Unfall, als ich im Koma lag. Für mich war es erschreckend zu sehen, wie klar ich damit bin. Ich war da emotional sehr klar", erinnerte sich Vogel.

Bald will sie das Trainingsgerät jedoch an das Olympische Museum in Lausanne spenden.

"Ich kann da sehr böse sein!" Kristina Vogel über Falschparker auf Behinderten-Parkplätzen

Bis kurz vor ihrem Unfall errang Kristina Vogel (30) 21 nationale Titel und galt als absolute Größe im Bahnradsport. (Archiv)
Bis kurz vor ihrem Unfall errang Kristina Vogel (30) 21 nationale Titel und galt als absolute Größe im Bahnradsport. (Archiv)  © Felix Kästle / dpa

In ihr neues Leben mit der Querschnittslähmung muss die Radsportlerin sich auch heute noch einfinden. Vor allem der Umgang mit Menschen ohne Behinderung fällt ihr nicht immer leicht.

"Es ist ja so mit der Inklusion: Ich treffe manchmal auf Menschen, für die ich mit Sicherheit die erste behinderte Frau bin, die sie treffen als behinderten Menschen - und auch die letzte.

Das ist dann auch eine Verantwortung für mich: Ich muss nett sein, denn der Mensch denkt dann: So sind alle Behinderten. Ich habe manchmal gute und manchmal schlechte Laune. Aber ich muss immer nett sein", beschreibt Kristina Vogel ihre neue Rolle.

Gar nicht nett hingegen ist die 30-Jährige, wenn es um das Thema Behinderten-Parkplätze geht.

"Wenn ich sehe, dass da jemand parkt, ist meine Hemmschwelle für Aggressionen quasi nicht mehr existent. Ich gehe immer davon aus, dass jemand falsch parkt", so Vogel.

Ich werde dann gern auch mal ruppig und pampe die an: Das ist mein Parkplatz, sie können auch gern meine Behinderung bekommen, wenn sie das möchten. Ich kann da auch schon böse sein und packe alle meine russischen Schimpfwörter aus", gibt die zweifache Olympia-Siegerin zu.

Titelfoto: Screenshot MDR Riverboat

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