Leipzig - Am Freitagabend war auch der deutsche Diplomat und Autor Rüdiger von Fritsch (72) zu Gast im "Riverboat". Dabei stellte der 72-Jährige sein neues Buch vor, sprach jedoch auch über seine Erlebnisse als deutscher Botschafter in Moskau und darüber, welche Frage er Michail Gorbatschow (†2022) bei einem gemeinsamen Mittagessen stellte.
Bereits als junger Schüler in Westdeutschland hatte von Fritsch angefangen, neben der Schule Russisch zu lernen. Nach seinem Studium arbeitete er von 1986 bis 1989 in der deutschen Botschaft in Warschau.
Von 2014 bis 2019 war von Fritsch deutscher Botschafter in Moskau – und damit Zeuge der russischen Annexion der Krim sowie der Besetzung des Südostens der Ukraine durch die Truppen Wladimir Putins (73).
Während der Reise nach Moskau habe er sich selbst versprochen: "Du wirst, was eine Politik angeht, die du verurteilst und die dein Land verurteilt, eine klare Sprache sprechen, aber du wirst dir deine Sympathie zu Russland nicht kaputtmachen lassen!", erinnerte sich der Diplomat im Gespräch mit Moderator Wolfgang Lippert (74) zurück.
"Sie haben Michail Gorbatschow getroffen?", fragte Lippert von Fritsch. Dieser entgegnete: "Ich habe ihn immer wieder getroffen, das war hochinteressant. Unsere erste Begegnung war ein Mittagessen unter vier Augen in der Residenz des deutschen Botschafters."
Diese Frage stellte von Fritsch Michail Gorbatschow
Als studierter Historiker habe von Fritsch dabei eine Frage besonders umgetrieben, die er dem einstigen Staatspräsidenten der Sowjetunion dann gestellt habe: "Herr Gorbatschow, es wird immer gesagt, 1990 sei Ihnen versprochen worden, die Nato wird nicht ausgeweitet?"
Gorbatschow habe darauf entgegnet: "Das glauben Sie doch nicht im Ernst. Stellen Sie sich mal vor: 1990 soll ich als mächtiger Generalsekretär der mächtigen KPdSU den Amerikanern abverlangen, dass die lettische Sowjetrepublik nicht Nato-Mitglied wird? Das wäre doch Selbstaufgabe gewesen. Diese Geschichte ist ein Mythos!"
Diese Anekdote von Fritsch's, die Gorbatschow zu Lebzeiten bestätigte, widerspricht damit deutlich der von Putin zur Legitimation des Angriffs auf die Ukraine angeführten Behauptung vom "Wortbruch des Westens".
Laut von Fritsch habe Gorbatschow bis zu seinem Tode sehr darunter gelitten, für den Kollaps der Sowjetunion verantwortlich gemacht zu werden.
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