RTL Spezial "Angriff auf unsere Kinder": Insider erheben schwere Vorwürfe gegen "Knuddels"

Köln - Wie gefährlich das Internet für Kinder sein kann und was für Menschen in den Untiefen des World Wide Webs unterwegs sind, wurde den Fernseh-Zuschauern am Montagabend zur Prime Time im RTL-Spezial "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können" geschildert. Was tun Chat-Plattformen wie "Knuddels" wirklich gegen Cyberkriminalität?

"Also wenn wir zu dir kommen, werden wir, glaube ich, nicht angezogen bleiben", erhielt ein Lockvogel als Nachricht bei der Chat-Plattform Knuddels.
"Also wenn wir zu dir kommen, werden wir, glaube ich, nicht angezogen bleiben", erhielt ein Lockvogel als Nachricht bei der Chat-Plattform Knuddels.  © TVNOW / Andreas Friese

Für die Sendung hatten sich drei Schauspieler als minderjährige Lockvögel auf scheinbar harmlosen Chat-Seiten ausgegeben.

Als 12-Jährige im Netz unterwegs erhielt eine der Darstellerinnen eindeutig zweideutige Nachrichten eines Mannes, der sich mit ihr treffen wollte. Zur Verabredung plante er noch einen 33-Jährigen mitzubringen und kündigte an: "Also wenn wir zu dir kommen, werden wir, glaube ich, nicht angezogen bleiben".

Weil solche Nachrichten für sie nichts Ungewöhnliches sind, haben sich zwei Insider bei TV-Sender RTL gemeldet.

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Die Männer namens Sven und Martin (Name geändert), die für die Chat-Plattform Knuddels als Administratoren arbeiten, behaupten, dass zu wenig gegen Cybergrooming unternommen werden würde.

Die Herren, die als Admins die Chats überwachen, machen deutlich, was sie vom Portal halten. "Es gibt da zu viele Leute, die auf Minderjährige aus sind, und da würde ich weder meinen Kindern, noch Jugendlichen empfehlen, sich anzumelden", meint Martin.

Administratoren berichten, dass sie tagtäglich sexuelle Nachrichten in Chats lesen müssten

Steffen Hallaschka (49) moderierte die Sendung, die am 8. März 2021 zur Prime-Time ausgestrahlt wurde.
Steffen Hallaschka (49) moderierte die Sendung, die am 8. März 2021 zur Prime-Time ausgestrahlt wurde.  © TV Now / Stefan Gregorowius

Kollege Sven fügt hinzu, dass beide Administratoren kaum dazu kämen, alle Chats zu kontrollieren und das nichts passieren würde, wenn ein User - wie eine Mutter, die ihre Kinder zum Sex angeboten hätte - gemeldet worden wäre.

Die Admins hätten in diesem Fall die Userin gesperrt, ihren Namen an die Chat-Leitung geschickt. Sie glauben aber nicht, dass es wirklich zu einer Straf-Anzeige gekommen sei.

Die Admins berichten, dass sie jeden Tag mit sexuellen Nachrichten in Chats konfrontiert werden würden. "Das gehört quasi fast schon zum normalen Ton", lautet die drastische Realität, von der die Admins erzählen.

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Das Unternehmen "Knuddels" hat sich nach der Berichterstattung von RTL mit einer anwaltlichen Stellungnahme gemeldet.

"Wir werden bereits innerhalb der kommenden zehn Tagen unseren Jugendschutz weiter ausbauen", heißt es darin.

So soll der Melde-Button deutlicher dargestellt werden und ein technischer Filter erkennen können, sobald ein User eine falsche Altersangabe macht und die Sperrung des Accounts herbeiführen.

Den Insidern scheint das noch nicht genug sein. "Mein Appell ist, dass man diesem Portalbetreiber jetzt juristisch auf die Pelle rückt", stellt Sven eine klare Forderung.

Titelfoto: TVNOW / Andreas Friese

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