Sie machen Jagd auf mutmaßliche Pädokriminelle: Reportage zeigt "Pedo Hunter" in Aktion und im Knast
Bremen - Sie fälschen Profile von Minderjährigen und locken mutmaßliche Täter in die Falle. Das Y-Kollektiv hinterfragt den Antrieb der Pedo Hunter.
Das Vorgehen läuft nach einem klaren Muster ab: Die Pedo Hunter geben sich online als minderjährige Mädchen oder Jungen aus und stellen mutmaßlichen Pädokriminellen Fallen, indem sie Treffen vereinbaren.
Anstelle eines Kindes wartet einer der selbst ernannten Pedo Hunter auf die mutmaßlichen Täter. Die Konfrontation wird gefilmt und anschließend in den sozialen Medien veröffentlicht.
Die Videos werden millionenfach angesehen und gefeiert. Für die Reportage "Y-Kollektiv: Er jagt Pädokriminelle - Zwischen Kinderschutz und Selbstjustiz" hat Reporter Tobias Dammers mit dem bekannten Pedo Hunter Marvin Ojaghi (31) und einem 24-Jährigen gesprochen, der für seine Aktionen sieben Jahre hinter Gitter musste.
Dammers erlebt hautnah, wie Ojaghi mit einem Mann chattet, ihn beim Treffen stellt und der Polizei übergibt.
"Zusammen essen und trinken gehen, in die Sauna und danach kuscheln und f***en", hat der Mann dem vermeintlich 13-jährigen Mädchen geschrieben. Der Tag endete für den mutmaßlichen Pädokriminellen auf der Wache.
Verurteilter Pedo Hunter als Märtyrer gefeiert
Ojaghis Motivation ist für den Reporter verworren. "Geht es hier um Kinderschutz oder TikTok-Fame?", fragt er sich. "Vielleicht beides", lautet seine Antwort.
Bei dem wegen Raub, Menschenraub und Körperverletzung zu sieben Jahren Haft verurteilten Pedo Hunter Alexander H. fällt Dammers ein klareres Urteil.
Der Reporter hat den 24-Jährigen, der im Internet als Märtyrer gefeiert wird, exklusiv im Knast getroffen. H. wollte mutmaßliche Pädokriminelle nicht nur stellen, sondern auch selbst bestrafen. Inspiriert wurde er durch Videos auf Instagram.
"Es ging wirklich nur um die Pädos am Anfang. Und dann kam halt Geld mit rein. Aber das war jetzt nicht mein Hauptpunkt. Kam dazu, war ein Extra", sagt der 24-Jährige. Vor Gericht hat er gestanden. Jetzt will er, dass sein Fall neu verhandelt wird. Das Urteil ist also noch nicht rechtskräftig.
"Ganz ehrlich: Dass es ihm nur darum ging, Pädophile einzuschüchtern, kaufe ich ihm nicht ab. Ich glaube, der Denkzettel war ihm wichtig, aber das Geld der Opfer mindestens genauso", meint Dammers.
Polizei kritisiert Pedo Hunter
H. bekomme viele Supportbriefe und den Respekt der anderen Insassen. Die Polizei hingegen hat eine andere Meinung über Pedo Hunter wie ihn.
"Im Idealfall erschwert es unsere Arbeit. Im absoluten Worst Case macht es unsere Arbeit zunichte. Wir brauchen Netzwerk-Strukturen. Die sind oft vernetzt miteinander. Die haben nicht nur ein Opfer, die haben mehrere Opfer. Das geht uns alles verloren", sagt Jessica Bauschka vom Landeskriminalamt Düsseldorf.
Das sei keine Arbeit, sondern Effekthascherei.
"Y-Kollektiv: Er jagt Pädokriminelle - Zwischen Kinderschutz und Selbstjustiz" ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar.
Titelfoto: Radio Bremen

