Alles wie im Märchen? Dieser "Tatort" hat Albtraumpotenzial!
Freiburg – Eigentlich will Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner, 56) nur einen Nachbarschaftsdienst erledigen und fährt zu einem Haus am Waldrand. Doch als er dort ein Kind weinen hört, bricht er die Tür auf. So dramatisch beginnt der neue Schwarzwald-"Tatort: Das jüngste Geißlein", der am heutigen Sonntag, um 20.15 Uhr, im Ersten läuft.
Völlig verängstigt und zusammengekauert im Kasten einer Standuhr findet der Kommissar, der gar nicht im Dienst ist, die kleine Eliza (Hanna Heckt, 10) vor. Blutspuren in dem einsamen Haus deuten auf ein Verbrechen hin.
Franziska Tobler (Eva Löbau, 53) versucht, das Mädchen zu befragen und herauszufinden, wo seine Eltern sind.
Doch die Neunjährige leidet unter Mutismus, spricht also mit niemandem – nicht einmal mit ihrer Psychologin Dr. Evelyn Kaltenstein (Mina Tander, 46), bei der sie seit längerer Zeit in Behandlung ist.
Erst als Eliza Berg wiedersieht, öffnet sie sich. "Die Mama ist in den Wald gegangen" ist das Erste, was das Mädchen seit Jahren sagt. Doch dann erzählt die Kleine nur das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein.
Wenig später wird ihr Vater tot im Waldsee aufgefunden. In den Taschen des Opfers befinden sich unzählige Steine.
Hat etwa jemand wie im Märchen den "Wolf" getötet?
Lohnt sich beim Schwarzwald-"Tatort" das Einschalten?
Nur bedingt. Dieser "Tatort" ist eher ein Schaf im Wolfspelz als andersherum.
Als Psycho-/Horrorthriller verkleidet, fesselt die Spannung leider nur stellenweise. Genau dann ist dieser Fall aber auch nichts für schwache Nerven und man sollte danach vielleicht nicht sofort ins Bett gehen – Albtraumpotenzial!
Hervorzuheben ist die zehnjährige Hanna Heckt, die ihre Rolle sehr überzeugend spielt. "Für mich war es eine große Freude mit ihr zu spielen, weil sie immer offen, genau und sehr gut vorbereitet in die Szene ging", sagt Hans-Jochen Wagner gegenüber dem SWR.
Zwischenzeitlich habe er völlig vergessen, wie jung sie eigentlich noch ist. "Für mich war sie eine vollwertige Kollegin, mit der ich auf höchstem Niveau und sehr konzentriert zusammen spielen konnte. Ein echtes Geschenk", so Wagner.
Die düstere Atmosphäre, die "ins Horror-Genre hineinspielt und kindliche Urängste weckt", wie Eva Löbau es treffend zusammenfasst, entsteht vor allem durch die Szenerie.
Ende 2024 im tiefsten Hochschwarzwald gedreht, stellten die Wetterbedingungen das Drehteam vor Herausforderungen. "Bei einem nächtlichen Drehtag draußen, mitten im Nirgendwo, fiel so viel Schnee, dass unklar war, ob wir unseren Drehort überhaupt wieder verlassen können", erinnert sich Wagner.
"Diese bedrohliche, aber auch märchenhafte Stimmung vermittelt sich in dieser 'Tatort'-Folge", so der Schauspieler.
Titelfoto: SWR/Benoît Linder (2)

