Thüringens rechtes Wohnzimmer: Ein Dorf-Gasthaus als Drehkreuz der Neonazi-Szene

Leipzig/Brattendorf - Der "Eiserne Löwe" im südthüringischen Brattendorf ist weit entfernt von einem gewöhnlichen Dorfgasthaus. Laut einer MDR-Exactly-Dokumentation dient das Restaurant des Rechtsextremisten Tommy Frenck auch als Treffpunkt der Neonazi-Szene – allein 63 Konzerte sollen dort 2025 stattgefunden haben.

Tommy Frenck ist ein bundesweit bekannter Neonazi. (Archivfoto)
Tommy Frenck ist ein bundesweit bekannter Neonazi. (Archivfoto)  © Michael Reichel/dpa

An der Decke des Gasthauses prangt eine schwarze Sonne. Sie ist ein zentrales Symbol der rechtsextremen Szene, welches häufig als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz verwendet wird.

Der Konzertraum wurde in Anlehnung an den Afrika-Feldzug der Nationalsozialisten "Afrika Korps Bar" genannt.

Dort werden regelmäßig, oft mehrere Tage hintereinander, Neonazi-Konzerte abgehalten. Aktuell sind pro Veranstaltung 40 Personen zugelassen.

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Die Polizei hat das Geschehen zwar auf dem Schirm und begleitet jede Veranstaltung, doch mehr passiert nicht. Zu Straftaten sei es bisher nicht gekommen.

Dass diese Menschen ihre Ideologien systematisch weiterverbreiten, lasse man laut Historiker Kai Richarz einfach gewähren. Laut ihm konnte dadurch eine ganze Event-Kultur in Thüringen etabliert werden, in welcher der Neonazi Tommy Frenck mitwirkt. Er organisiert unter anderem Familienfeste, Weihnachtsfeiern und Kindertage.

Laut Rechtsextremismusforscherin Prof. Heike Radvan steckt reines Kalkül dahinter. Sie spricht von einer Art "Veralltäglichung" von Rechtsextremismus.

Diplomatisches Schweigen oder Kapitulation?

Er richtete unter anderem diese rechtsextreme Kindertagsfeier im südthüringischen Brattendorf aus.
Er richtete unter anderem diese rechtsextreme Kindertagsfeier im südthüringischen Brattendorf aus.  © MDR/Johanna Hemkentokrax

Hinzu kommt ein Bürgermeister der Gemeinde Auengrund (in welcher die Gaststätte "Eiserner Löwe" steht), der keine Stellung bezieht. René Pfötsch will die Anfrage vom MDR zu den Veranstaltungen nicht beantworten.

Auch Vereine und Institutionen im Ort schweigen. Lediglich eine Anwohnerin spricht unter dem Deckmantel der Anonymität. Sie erklärt, dass der Ort gespalten sei. Es gebe Leute, die sich an den rechtsextremen Aktivitäten nicht stören und sogar andere Menschen dazu animieren wollen, ein Teil davon zu werden.

"Und dann gibt es halt eben auch einen Teil, der das erkennt und dagegen ist, aber sich vielleicht auch nicht traut, sich klarer zu positionieren."

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Die gesamte Doku mit dem Titel: "Neonazi-Konzerte und das Geschäft mit dem Hass – Kein Widerstand im Rechtsrockland?" könnt Ihr bereits jetzt in der ARD-Mediathek oder alternativ am Mittwoch um 20.15 Uhr im MDR sehen.

Titelfoto: Montage: Michael Reichel/dpa; MDR/Johanna Hemkentokrax

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