Ehrlicher Depressions-Talk bei "Chez Krömer": "Du bist ein Hoffungsträger"

Berlin - "Chez Krömer" startet in die vierte Runde: Zu Gast in der ersten Folge der neuen Staffel ist Comedian Torsten Sträter (54). Moderator Kurt Krömer (46) schlägt ernste Töne an.

Kurt Krömer (46, r.) spricht mit Comedian Torsten Sträter (54) im rbb-Verhörraum von "Chez Krömer" über das Thema Depressionen.
Kurt Krömer (46, r.) spricht mit Comedian Torsten Sträter (54) im rbb-Verhörraum von "Chez Krömer" über das Thema Depressionen.  © Screenshot/RBB

Krömer, dessen Humor meist nicht auf leisen Sohlen daherkommt, aber immer zielgenau trifft, hat sich zum Auftakt eines gesellschaftlichen Themas angenommen, das es in sich hat: Depressionen – an denen der Berliner Komiker selbst seit dreißig Jahren leide (TAG24 berichtete). Was zunächst wie ein Krömer'scher Scherz daherkommt, ist bitterer Ernst.

Während die Kunstfigur Krömer und Alexander Bojcan, wie der Berliner mit bürgerlichem Namen heißt, im öffentlichen Auge eng miteinander verzahnt scheinen, kehrt der 46-Jährige nun eine weitere Facette seines Innersten nach Außen und schafft mehr Trennschärfe.

Der gebürtige Neuköllner zeigt sich demnach ungewohnt offen von seiner verletzlichen Seite.

Vor dem Hintergrund einer Zunahme von psychischen Belastungen in der Corona-Pandemie dürfte das noch immer tabuisierte Thema Depressionen einen Nerv bei den Zuschauern treffen.

In den rund ersten zehn Minuten klopft Krömer noch die biografischen Eckdaten seines Studiogastes ab. Alles wie gehabt. Ein ausgebildeter Herrenausstatter vernimmt einen ausgebildeten Herrenschneider. Dann der Paukenschlag in der TV-Amtsstube.

"Wir haben eine Sache gemeinsam", unterbricht Krömer seinen Komiker-Kollegen und macht es sich nicht leicht, die Katze aus dem Sack zu lassen. "Ich habe den ganzen Tag Bauchschmerzen, ich habe Schiss, darüber zu sprechen. Es ist das Thema Depressionen." Nie zuvor habe er darüber gesprochen, berichtet der Moderator. Weil er "nicht mehr "lebensfähig" gewesen sei, habe Krömer acht Wochen in einer Klinik verbracht.

Sträter kennt das Gefühl. Der gebürtige Dortmunder bemerkte laut eigenen Angaben erstmalig in den 90er Jahren, dass er an Depression leide. Der Schirmherr der Deutschen DepressionsLiga e. V. habe es sich zum Auftrag gemacht, der Krankheit das Stigma zu nehmen – auch in seinen Bühnenprogrammen.

Daher sei der 54-Jährige auch froh, dass der Talkshow-Gastgeber mit seiner Erkrankung erstmalig an die Öffentlichkeit gegangen ist: "Du bist ein Hoffnungsträger für alle anderen. Wir sind jetzt schon zwei, die darüber reden."

Auf die Frage, ob Depressionen bei Künstlern eher akzeptiert werden, erklärt der gebürtige Dortmunder: "Du wirst immer Leute finden, die sagen, du simulierst (...) Die Leute sehen immer lieber einen Gips bis zum Oberschenkel, als sich von dir erklären zu lassen, dass du Depressionen hast."

Kurt Krömer spricht mit Torsten Sträter bei "Chez Krömer" über Depressionen

Kurt Krömer (46, l.) verabschiedet seinen Studiogast Torsten Sträter (54).
Kurt Krömer (46, l.) verabschiedet seinen Studiogast Torsten Sträter (54).  © Screenshot/RBB

Krömer sei drei Jahre lang "von Arzt zu Arzt gerannt", weil er "ein diffuses Gefühl" hatte. "So wie verliebt sein, aber mit bekloppten bösen Schmetterlingen", schildert der 46-Jährige seine damalige Gefühlswelt.

Und weiter blickt er zurück: "Ich dachte, vielleicht bin ich ein Hypochonder, weil ich irgendwann dachte, ich hätte einen Tumor, ein Blutgerinnsel. Ich bin durch die ganzen Röhren und jeder Arzt hat gesagt, wir finden nichts. Bis mich im vergangenen Jahr einer ansprach und sagte, vielleicht bist du depressiv."

Krömers größte Sorge vor seinem Klinikaufenthalt: Dass zwar seine Depression geheilt werde, als Künstler aber auch seine dringend notwendige "Vollmeise" weg therapiert sein könnte, erläutert der 46-Jährige.

Sträter daraufhin beruhigend: "Du hast diese Vollmeise schon immer gehabt." Es sei wie ein schlechter Witz, findet Krömer. "Zwei Komiker treffen sich, beide depressiv. Ein Klischee unserer selbst."

Krömer erklärt abschließend, dass er sich seinen Studiogast bewusst ausgewählt habe, um so leichter ein Gespräch über Depressionen in der Öffentlichkeit zu führen.

Weitere Studiogäste sind "4 Blocks"-Star Kida Khodr Ramadan (44), SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58), Ex-AfD-Chefin Frauke Petry (45), der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (67) und Esoteriker Thomas Hornauer (60).

Vom 23. März bis 27. April 2021 laufen dienstags um 22.15 Uhr die sechs Folgen "Chez Krömer" im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Online erscheinen die Folgen wöchentlich jeweils bereits montags ab 18 Uhr in der ARD-Mediathek und auf YouTube.

Titelfoto: Screenshot/RBB

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