Unverständliche Behördenpost bedroht Existenzen: "Ich steh' über dem Bürger!"

Leipzig/Erfurt - Begriffe wie "Raumübergreifendes Großgrün" oder "Einstehensgemeinschaft" und Schachtelsätze, die in die Irre führen: Viele Menschen fühlen sich von Behördenpost überlastet, was teils schwerwiegende Folgen haben kann.

Beim Anblick von Amtspost läuft so manchem ein kalter Schauer über den Rücken - und zwar nicht aus Freude.
Beim Anblick von Amtspost läuft so manchem ein kalter Schauer über den Rücken - und zwar nicht aus Freude.  © Jens Kalaene/dpa

Das Reportage-Team von "MDR exactly" war für ihre jüngste Dokumentation zu Besuch bei Straßenbahnfahrer Matthias aus Erfurt. Weil seine Frau Christine wegen einer Krankheit nicht arbeiten kann, ist der Alleinverdiener mit dem dritten Kind auf dem Weg auf die Unterstützung der Ämter angewiesen.

Diese zu bekommen, ist allerdings nicht immer leicht. Dem MDR-Team zeigt er den jüngsten Stapel an Anträgen, die die Familie auszufüllen hat.

"Hier geht es um Transferleistungen, die von einem eventuell verstorbenen Haushaltsmitglied übertragen werden sollen. Was soll das sein? Die Struktur der Anträge ist unverständlich, es geht vieles unter und man vergisst etwas und dann geht alles nochmal von vorne los, weil man etwas nachreichen muss", so der Familienvater.

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So wie der Erfurter Familie geht es vielen Menschen, die von der Zusammenarbeit mit Ämtern abhängig sind. Das müsste nicht sein, kritisiert Michaela Blaha von der Gesellschaft für verständliche Sprache.

Sprach-Experten kritisieren behördliche Arroganz

Die neue Doku von "MDR exactly" beschäftigt sich mit den Auswirkungen von unverständlicher Amtspost.
Die neue Doku von "MDR exactly" beschäftigt sich mit den Auswirkungen von unverständlicher Amtspost.  © MDR exactly

"Wenn man nur den Briefkopf sieht und schon Angst bekommt, ist das nachteilig für das Bearbeiten des Briefes, weil man dann keine Lust hat, diesen zu öffnen, vielleicht Fristen versäumt oder etwas falsch macht und dann im Amt anrufen muss. Das sind Prozesse, die überflüssig sind und die man beheben könnte, wenn man bessere Texte hätte", so die Sprachwissenschaftlerin.

Bei vielen Behördenmitarbeitern besteht allerdings gar nicht der Anspruch auf Verbesserung. "Wir beraten Unternehmen und Behörden und da fiel schon manchmal die Aussage: 'Aber ich steh’ über dem Bürger, ich hab hoheitliche Aufgaben, warum soll ich mich da auf ein niedriges Niveau begeben'", erklärt Blaha.

Wann es in Zusammenhang mit unverständlicher Amtssprache geradewegs um Existenzen geht und wie man sich im Antragschaos helfen lassen kann, seht Ihr in der gesamten Folge in der MDR-Mediathek oder auf YouTube.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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