Hitzige Stimmung in Deutschlands Osten: "Das Ausland ist schon da"

Leipzig/Gera - Avraz (33) musste vor neun Jahren aus dem Nordirak fliehen. Jetzt lebt und arbeitet er in Deutschland, hat jedoch wie viele andere Asylsuchende mit Vorurteilen zu kämpfen. Die MDR-Doku "exactly" begleitet ihn und stellt dabei die Frage, ob Integration unter den aktuellen Bedingungen wirklich gelingen kann.

Avraz (33, l.) erzählt dem "exactly"-Reporter, wie schwer es ist, in Deutschland Arbeit zu finden.
Avraz (33, l.) erzählt dem "exactly"-Reporter, wie schwer es ist, in Deutschland Arbeit zu finden.  © MDR

Vor einiger Zeit machte er eine Weiterbildung zum Web-Entwickler und würde nun gerne in diesem Beruf arbeiten, doch Avraz hat bisher trotz erfüllter Anforderungen keinen Job gefunden.

Um sich über Wasser zu halten, liefert er in Leipzig Vollzeit Essen aus. "Ich schicke jeden Tag zwei bis drei Bewerbungen und erhalte danach immer auch Absagen", erzählt er dem "exactly"-Reporter.

Wie schwer die Bedingungen teilweise für Flüchtlinge sind, zeigt sich auch in Geras Erstaufnahme-Einrichtung.

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Einer der Männer dort war in Syrien als Lkw-Fahrer tätig. Er möchte auch in Deutschland wieder als Kraftfahrer arbeiten, merkt jedoch, dass er nicht willkommen ist: "Sie wollen nicht, dass wir in Gera sind."

Mit "sie" meint er einen Teil der Bevölkerung. Rund um Initiator Christian Klar, welcher ein bekannter Rechtsextremist sein soll, treffen sich jeden Montag etwa 300 Menschen, um gegen die Bundesregierung zu demonstrieren.

In Thüringischen Gera demonstrieren Menschen jeden Montag unter anderem gegen die Asylpolitik.
In Thüringischen Gera demonstrieren Menschen jeden Montag unter anderem gegen die Asylpolitik.  © MDR

MDR-"exactly": Mit diesen Vorurteilen haben Asylsuchende zu Kämpfen

"Die Leute sind rassistisch. [...] Ich bin hier seit neun Jahren, ich arbeite, habe Führerschein", ärgert sich ein Passant über die Demos.
"Die Leute sind rassistisch. [...] Ich bin hier seit neun Jahren, ich arbeite, habe Führerschein", ärgert sich ein Passant über die Demos.  © MDR

Unter anderem Waffenlieferungen an die Ukraine und die Asylpolitik stehen dabei im Mittelpunkt. Die Demonstranten haben eine klare Meinung: "Die können nur mit dem Messer hantieren, abstechen können sie - nein, danke!", regt sich eine Frau auf.

"Gehen Sie einfach mal durch die Stadt, da können Sie kaum noch laufen", ärgert sich ein weiterer über die Menschen mit Migrationshintergrund. "Das Ausland ist schon da", ergänzt ihn eine Frau.

Es wird sich unter anderem aufgeregt, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, nicht arbeiten. Dass dies jedoch nicht unbedingt an den Menschen, sondern auch an den deutschen Gesetzen liegt, wird außer Acht gelassen.

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Die integrative Kita in Gera ist der Beweis dafür, dass es gehen kann. Leiterin Marion Quitera lehnt Asylsuchende nicht ab. "Wir stellen uns einfach den Herausforderungen", erklärt sie.

Der Migrationsanteil in ihrer Kita beträgt 60 Prozent. Sie möchte damit als gutes Beispiel vorangehen und zeigen, dass es gehen kann.

Die gesamte MDR-"exactly"-Folge "Zu wenige Jobs, überforderte Behörden - Kann Integration so gelingen?" könnt Ihr Euch schon jetzt in der Mediathek ansehen oder darüber hinaus am Dienstag, um 20.15 Uhr, im MDR.

Titelfoto: Bildmontage: MDR

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