Immer mehr Behandlungsfehler im Südwesten? Expertin befürchtet große Dunkelziffer
Von Jennifer Kramer
Stuttgart - Mehr Menschen im Südwesten haben ihren Arzt im vergangenen Jahr wegen eines Behandlungsfehlers bei ihrer Krankenkasse gemeldet.
Wie die Techniker Krankenkasse (TK) mitteilte, meldeten 672 ihrer Versicherten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr einen Behandlungsfehler. Das seien 17 Prozent mehr als 2024 und für die TK so viele Meldungen wie noch nie.
Auch bei der AOK sind die Meldungen leicht gestiegen: 2025 waren 1097 Fälle im Südwesten begutachtet worden und damit 36 Fälle mehr als im Vorjahr.
Die meisten Fehler wurden der TK bei chirurgischen und zahnärztlichen Behandlungen sowie in der Geburtshilfe und Gynäkologie gemeldet. Die wenigsten Meldungen gab es bei HNO, Kardiologie und Urologie.
Doch nicht jede Meldung stellt sich später auch als tatsächlicher Fehler heraus. Wenn ein Fehler gemeldet wird, wird er von unabhängigen Gutachtern des Medizinischen Dienstes (MDK) überprüft.
Keine einheitliche Erfassung von Behandlungsfehlern
Zuletzt meldete der MDK Baden-Württemberg, dass sich etwa jeder vierte bis fünfte Vorwurf bestätigt habe. Das deckt sich mit den Zahlen der AOK: Von den 2025 überprüften Fällen wurden 250 Behandlungsfehler und somit 22,79 Prozent der Fälle bestätigt.
Die Leiterin der TK-Landesvertretung in Baden-Württemberg, Nadia Mussa, rechnet jedoch mit einer hohen Dunkelziffer.
"Wir schätzen, dass auf jeden uns gemeldeten Fall rund 30 nicht gemeldete kommen", sagte sie. Denn nicht jeder würde das aufwendige und teure Verfahren, seinen Arzt nach einer falschen Behandlung anzuzeigen, auf sich nehmen.
Zudem kritisierte Mussa, dass es in Deutschland kein einheitliches Meldesystem für Behandlungsfehler gebe. Patienten würden sich mit ihrem Verdacht an unterschiedliche Stellen wenden, etwa Rechtsanwälte, die Ärztekammern oder ihre Krankenkasse.
"Hilfreich wäre eine Meldepflicht für Behandlungsfehler für alle medizinischen Einrichtungen, etwa über ein zentrales Melderegister", sagte sie.
Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

