Von Ann-Kathrin Haag, Martin Oversohl
Stuttgart - Fast genau alle eineinhalb Minuten wird irgendwo im Land entweder ein Mensch angefahren oder es kracht auf den Straßen. Das baden-württembergische Innenministerium veröffentlichte die jüngste Statistik.
Im Südwesten kam es zu drei Dutzend Unfällen und fünf Verletzten pro Stunde. Und jeden Tag kommt auf einer Straße im Südwesten ein Mensch ums Leben. "In 99,4 Prozent der Unfälle war menschliches Versagen die Ursache", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart.
Das sei zwar schlecht - aber: "Wir können da etwas machen, das ist kein unabwendbares Schicksal." Unfälle, die durch Fehler verursacht würden, seien vermeidbar.
Nach Angaben Strobls wurden im Laufe des vergangenen Jahres 314.129 Unfälle registriert, das sind einige mehr als im Jahr zuvor (plus 0,6 Prozent). Auch die Zahl der Menschen, die bei den Unfällen verletzt wurden oder die gar dabei ums Leben kamen, legte leicht zu.
Auf längere Sicht aber, mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre, ist die Zahl der Todesopfer um ein Fünftel gesunken, die der Schwerverletzten sogar um 40 Prozent. "Die Statistik zeigt: Wir sind auf dem richtigen Kurs", sagte Strobl.
Mangelnde Verkehrstüchtigkeit war die Ursache für Unfälle mit 46 Toten. Und 36 verloren ihr Leben, weil Ablenkung, zum Beispiel durch ein Handy, im Spiel war. Mehr als jeder Dritte (2025: 42) von 150 gurtpflichtigen Opfern war nicht oder nicht richtig angeschnallt.
Junge Menschen am Steuer
Junge Fahrerinnen und Fahrern im Alter zwischen 18 bis 24 Jahren waren 2025 zwar in 21.284 Verkehrsunfällen verwickelt - das ist in etwa das Vorjahresniveau. Aber mehr als doppelt so viele wie zuvor kamen auf den Straßen Baden-Württembergs ums Leben. Die Zahl sei um 19 auf 50 gestiegen, teilte das Ministerium mit.
Bei den weitaus meisten Unfällen kommt bis aufs Blech niemand zu schaden. Nur in einem von zehn Unfällen werden Menschen verletzt oder getötet. Insgesamt erlitten 42.802 Menschen Verletzungen (plus 1,6 Prozent), 367 kamen ums Leben - das sind 7,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor (340).
Die Zahl der Schwerverletzten erreichte nach einem deutlichen Rückgang 2024 nun mit 5561 Fällen einen Tiefstand (minus 6,5 Prozent).
Zu schnell und zu unaufmerksam
Das deckt sich mit einer anderen Zahl aus der Statistik: Denn bei vier von zehn tödlichen Unfällen, die junge Erwachsene insgesamt verursachten und bei denen sie oder andere starben, waren sie zu schnell unterwegs. In 14 Prozent waren sie abgelenkt.
Insgesamt sind Menschen aus dieser Altersgruppe 2025 in 21.284 Verkehrsunfällen verwickelt gewesen – das ist in etwa das Vorjahresniveau.
"Rasen kann das Leben kosten", sagt Strobl. "Jeder Stundenkilometer zu schnell, jede Unachtsamkeit kann über Leben oder Tod entscheiden. Dafür müssen wir besonders junge Menschen sensibilisieren."
Auch die Zahl der getöteten Seniorinnen und Senioren legte zu. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 21 ältere Menschen mehr ums Leben (2025: 127) - jeder vierte beim Fahrradfahren oder mit dem Pedelec und fast die Hälfte davon ohne Helm.
Ebenso nahm die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern und Pedelecs zu, im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf 13.073. In fast zwei Drittel der Fälle (64,3 Prozent) mit Verletzten oder Toten verursachten die Fahrradfahrenden die Unfälle selbst - egal ob mit oder ohne Motor.