Kinderpornografie im Darknet: Großrazzia gegen Nutzer und Betreiber

Von Simon Sachseder

München - Im Kampf gegen Kinderpornografie im Darknet haben Ermittler mehr als 373.000 Seiten stillgelegt und Hunderte Nutzer identifiziert. Auch dem mutmaßlichen Verantwortlichen kamen sie auf die Schliche: Weltweit wird nun nach einem 35 Jahre alten Chinesen gefahndet.

Die Ermittler haben insgesamt 373.000 Seiten im Darknet stillgelegt. (Symbolfoto)
Die Ermittler haben insgesamt 373.000 Seiten im Darknet stillgelegt. (Symbolfoto)  © Arne Dedert/dpa

Das gaben das bayerische Landeskriminalamt, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das bayerische Justizministerium in München gemeinsam bekannt.

Der Mann soll Interessierte mit echten Abbildungen schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder in Fake-Shops gelockt haben, um sie dort abzuzocken. Er bot demnach auch andere kriminelle Leistungen gegen Bezahlung an, ohne diese zu erbringen.

Für sein betrügerisches Geschäft schreckte der mutmaßliche Täter nicht davor zurück, das unfassbare Leid selbst kleinster Kinder auszunutzen.

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"Die Fake-Shops warben mit echtem kinderpornografischem Material", sagte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (55, CSU).

"Man darf nicht vergessen: Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes." Das Verfahren zeige auch, wie erschreckend groß die Nachfrage sei.

Kinderpornografische Inhalte erreichten mehr als 90.000 Seiten

Seit mehr als vier Jahren hatten die bayerischen Ermittler die Darknet-Plattform "Alice with Violence CP" im Visier. Im Laufe der Zeit stellten die auf Cybercrime und die Bekämpfung von Kinderpornografie spezialisierten Experten beim Landeskriminalamt und der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg fest, dass der Täter über 373.000 Seiten im Darknet betrieb. 

"Das Fundament dieses Netzwerks bildeten insgesamt 122 Plattformvarianten, die tausendfach vervielfältigt wurden", hieß es zur Erklärung.

Zwischen Februar 2020 und Juli 2025 habe der mutmaßliche Täter auf 32 unterschiedlichen Plattformen kinderpornografische Inhalte zum Kauf angeboten, die über mehr als 90.000 Seiten erreichbar waren.

Georg Eisenreich (55, CSU, M.), Justizminister von Bayern, spricht über die Bekämpfung von Kinderpornografie im Darknet.
Georg Eisenreich (55, CSU, M.), Justizminister von Bayern, spricht über die Bekämpfung von Kinderpornografie im Darknet.  © Matthias Balk/dpa

Es wird gegen rund 600 Nutzer ermittelt

Neben dem 35-Jährigen mit Wohnsitz in China wird auch gegen rund 600 Nutzer ermittelt, die in dem Zeitraum auf den Plattformen Zahlungen getätigt haben. Den Fachleuten gelang es durch die akribische Auswertung der Kryptowährungsströme, diese trotz der versuchten Verschleierung ihrer Identitäten ausfindig zu machen - auch dank neuer Tools.

An der "Operation Alice" beteiligten sich weltweit 23 Staaten, koordiniert von Europol. In Deutschland fanden Durchsuchungen gegen 14 Verdächtige in neun Bundesländern statt (Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen). Insgesamt wurden im gesamten Ermittlungskomplex Verfahren gegen 89 Beschuldigte aus Deutschland geführt.

Die Münchner Polizei betonte ihr schnelles Eingreifen bei Gefahren für Kinder, etwa durch die Durchsuchung der Wohnung eines Vaters in Starnberg im August 2023, bei der trotz Sicherheitsmechanismen belastende Daten sichergestellt wurden; der Mann ist inzwischen verurteilt.

Zudem wird dem gesuchten Chinesen vorgeworfen, über Jahre ein großes Netzwerk mit Hunderten Servern zum Austausch entsprechender Inhalte betrieben zu haben.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa (Symbolfoto)

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