Berlinale-Chefin Tuttle stellt klar: "Ich möchte im Amt bleiben"

Von Sabrina Szameitat

Berlin - Wie geht es weiter mit der Berlinale? In den vergangenen Tagen wurde intensiv über die Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle (55) diskutiert. Nun meldet sich die Berlinale-Chefin erstmals selbst zu Wort.

Tricia Tuttle (55) machte deutlich, dass sie weiterhin im Amt bleiben möchte.
Tricia Tuttle (55) machte deutlich, dass sie weiterhin im Amt bleiben möchte.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

"Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen", sagte Tuttle der Deutschen Presse-Agentur vor einer für Mittwoch einberufenen Aufsichtsratssitzung, bei der es um die künftige Ausrichtung von Deutschlands größtem Filmfest gehen soll. Zuvor war heftig über die Zukunft der Intendantin und des Festivals selbst diskutiert worden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (60, parteilos) hatte zuvor der "Rheinischen Post" gesagt, Tuttle habe von sich aus ihre Zukunft bei der Berlinale infrage gestellt. Sie habe ihm und seinem Amtschef vergangenen Dienstag gesagt, "sie könne in dieser vergifteten Atmosphäre und ihren politischen Spannungen die Berlinale kaum weiterführen".

Nun erklärte Tuttle, dass sie im Amt bleiben möchte. Als sie mit Weimer am Dienstagabend gesprochen habe, habe sie sich die Frage gestellt, "ob ich in einem Umfeld, in dem meine Führungsrolle und die Integrität der Berlinale öffentlich ernsthaft in Zweifel gezogen wurden, weiterhin effektiv arbeiten könnte", erklärte Tuttle.

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"Wir diskutierten die Möglichkeit meiner einvernehmlichen Kündigung. Das waren ehrliche Gespräche", so die Intendantin.

Großer Protest aus der Kulturszene

Nach der Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mit Tuttle regte sich in der Kulturbranche ein Protest.
Nach der Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mit Tuttle regte sich in der Kulturbranche ein Protest.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die "Bild"-Zeitung hatte einige Tage nach Ende des Filmfestivals berichtet, Tuttle solle abberufen werden. Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals im Februar. Nachdem Weimer eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung für vergangenen Donnerstag einberufen hatte, formierte sich in der Kulturbranche breiter Protest.

Die Nachricht von der Aufsichtsratssitzung sei in der Presse erschienen, noch bevor ihre Gespräche mit Weimer vollständig abgeschlossen worden waren, wie Tuttle sagte. "Die Reaktionen aus der deutschen und internationalen Kulturszene, darunter auch eine Reihe israelischer Kollegen, die sich bewegend zu unserer Verteidigung äußerten, waren beachtlich."

Die Intendantin verwies außerdem auf ihre Eröffnungs- und Schlussworte auf der Bühne, die darauf ausgerichtet gewesen seien, "einen Raum zwischen dem Recht unserer Gäste auf freie Meinungsäußerung und unserer Verantwortung für die Anerkennung unterschiedlicher Ideen und Perspektiven zu schaffen".

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Wenn sie etwas an der Zeremonie und dem Festival zu bemängeln habe, dann sei es, dass die politische Debatte erneut die Filme selbst überschattet habe.

Es sei frustrierend, dass jetzt nicht über Filme wie "Gelbe Briefe" von İlker Çatak (42), der den Goldenen Bären gewonnen hatte, gesprochen werde. Dies sei aber nicht die Schuld der Filmemacher. Es liege am Festival, es nächstes Jahr besser zu machen.

Titelfoto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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