Wohnungen ja, Abriss nein: Bündnis kämpft für Erhalt des SEZ
Von Torsten Holtz, Andreas Heimann
Berlin - Abriss fürs Wohnen? Ein Bündnis von Experten sagt: Das Sport- und Erholungszentrum in Berlin-Friedrichshain muss nicht fallen.
Das neue Bündnis "SEZ-Quartier neu Denken" setzt sich dafür ein, zentrale Teile des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Friedrichshain zu erhalten und auf dem Gelände dennoch Wohnungen zu bauen. Mit diesem Kompromiss soll sich der vom Senat angekündigte Abriss verhindern lassen, wie das Bündnis mitteilte.
Die Gruppe aus Fachleuten aus Architektur, Stadtplanung, Denkmalschutz, Ingenieurwesen, Kunst- und Kulturproduktion habe den Vorschlag erarbeitet. Er sieht den Neubau von 500 Wohnungen auf dem früheren SEZ-Gelände am Rand des Volksparks Friedrichshain vor.
So soll es eine Wohnbebauung mit vier Hochpunkten in einfacher Bauweise geben. Die prägenden Hallenstrukturen des SEZ sollen weitergenutzt werden.
Der Abriss sollte bereits Anfang März beginnen. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hatte ihn in der vergangenen Woche mit Hinweis auf artenschutzrechtliche Bedenken vorerst gestoppt.
Das neue Bündnis fordert nun ein Abrissmoratorium, bis die städtebaulichen und wirtschaftlichen Fragen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geklärt sind, die auch den Bestandserhalt prüfen soll.
Früher Wellenbad und Eisbahn, heute Wohnungen und Schule
Das SEZ war 1981 eröffnet worden. Ein Wellenbad, eine Eisbahn, eine Bowlingbahn und Sporthallen zogen Millionen Besucher an. Das Grundstück und das Freizeitbad wurden 2003 vom Land Berlin an einen Investor verkauft. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit wurde das SEZ 2024 zwangsgeräumt.
Für den geplanten Neubau von Wohnungen und einer Schule auf dem Gelände ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM zuständig. Sie hatte einen sogenannten Historien-Parcours angekündigt, der die Geschichte des Standorts "erlebbar" machen soll.
Unter anderem sollen Bauelemente des früheren SEZ wie Fachwerkstützen der ehemaligen Schwimmhalle und charakteristische Gestaltungselemente als "historische Zeichen" erhalten werden.
Gegen den Abriss gibt es dennoch seit Langem Proteste.
Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

