Berlin - Schläge, Beleidigungen und Eskalationen im Klassenzimmer: Gewalt und Konflikte an Berliner Schulen haben nach Einschätzung vieler Lehrkräfte ein alarmierendes Ausmaß erreicht.
Mehr als die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte bewertet Gewalt und Streitigkeiten an ihrer Schule inzwischen als großes oder sehr großes Problem. Fast zwei Drittel berichten sogar, dass die Gewalt seit der Corona-Pandemie spürbar zugenommen hat.
Rund 80 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass Konflikte heute deutlich schneller eskalieren als noch vor wenigen Jahren.
Auffällig ist zudem, dass diese Entwicklungen längst nicht mehr nur weiterführende Schulen betreffen – auch Grundschulen sind zunehmend betroffen.
Neben körperlichen Auseinandersetzungen spielen auch digitale Konflikte über Messenger und soziale Netzwerke eine immer größere Rolle.
Auch der soziale Druck in den Klassen wächst. Viele Schülerinnen und Schüler berichten von Gruppenzwang, sozialen Erwartungen oder auch religiöser Ausgrenzung.
Konflikte entstehen dadurch nicht nur im Klassenzimmer, sondern setzen sich zunehmend auch im digitalen Raum fort.
Bildungssenatorin und Berlins "First Lady" Katharina Günther-Wünsch warnt vor den Entwicklungen
"Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal", sagt Bildungssenatorin und Berlins "First Lady" Katharina Günther-Wünsch (43, CDU). "Wenn Gewalt zunehme und Konflikte immer schneller eskalierten, dürfe man das nicht als normalen Schulalltag hinnehmen", so die Lebensgefährtin des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (53, CDU).
Berlin will zukünftig diese Entwicklungen mit dem Konflikt- und Gewaltbarometer untersuchen. Die Studie basiert auf den Angaben von mehr als 14.000 Schülerinnen und Schülern sowie über 2500 Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden. Damit legt das Land erstmals eine umfassende Datengrundlage zu Gewalt, Diskriminierung, Konflikten und Druck an Schulen vor.
Ziel sei es, Entwicklungen sichtbar zu machen und gezielt gegenzusteuern, so die Senatorin. Berlin ist damit das erste Bundesland, das Konflikte an Schulen in dieser Breite wissenschaftlich erfassen lässt.
Auch Wissenschaftler betonen die Bedeutung der Ergebnisse. Sie zeigen nicht nur das Ausmaß der Probleme, sondern auch, wo Handlungsbedarf besteht – etwa bei der Prävention, der frühzeitigen Intervention und klaren Regeln im Umgang mit Gewalt.
In den kommenden Wochen sollen die Ergebnisse gemeinsam mit Schulen, Elternvertretungen und Fachleuten weiter ausgewertet werden.