Berlin - Hunderttausende haben am Samstagabend friedlich den Christopher Street Day (CSD) in Berlin gefeiert. Dann raste ein Transporter in die Menschenmenge. Wer ist der Mann, der das Fest für Toleranz in einen Albtraum verwandelt hat?
Bei dem Terroranschlag wurde eine junge Frau getötet - zu ihrem genauen Alter lagen zunächst keine näheren Informationen vor. Inzwischen wurde bekannt, dass die Anzahl der zum Teil lebensbedrohlich Verletzten auf 29 Personen gestiegen ist.
Polizei und Staatsanwaltschaft fahnden seit Sonntagmorgen öffentlich nach Abdul B. (21). Der junge Mann soll erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden sein.
"Es handelt sich um einen Mann, der in Berlin bereits polizeibekannt ist und dem islamistischen Milieu zugerechnet wird", erklärte Polizeisprecher Florian Nath in der Nacht. Innenminister Alexander Dobrindt (56) bezeichnete die Tat am Nachmittag als islamistisch motivierten Anschlag.
Bei dem 21-Jährigen handelt es sich demnach um einen deutschen Staatsbürger libanesischer Herkunft. Er wurde 2005 in Berlin geboren und soll ein IS-Anhänger sein. Einsatzkräfte hatten in der Nacht gegen 1.10 Uhr seine Wohnung in Schöneberg ergebnislos durchsucht. Bei einem Polizeieinsatz in Spandau fielen am Sonntagabend Schüsse, der Tatverdächtige erlag kurz darauf seinen Verletzungen.
Abdul B. soll schon einmal einen Anschlag geplant haben
Er fiel bereits in der Vergangenheit durch Straftaten auf und galt aufgrund seiner islamistischen Radikalisierung als Gefährder.
Nach Informationen von Bild soll B. 2025 versucht haben, nach Syrien auszureisen, sei aber im Libanon festgenommen und anschließend nach Deutschland "zurückgeführt" und verhaftet worden.
Im Mai wurde er in Berlin wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein.
Während der Berufungszeit soll der 21-Jährige zeitweise überwacht worden sein, auch sein Telefon. Laut Welt hätten seine Bewährungsauflagen Gesprächstermine mit einer Beratungsstelle für Deradikalisierung beinhaltet. Zwei Termine habe er bereits auf freiwilliger Basis wahrgenommen - der dritte sollte am morgigen Montag stattfinden.
Bislang ist jedoch unklar, ob der Tatverdächtige den Transporter selbst gefahren und ob er allein gehandelt hat. Der rbb berichtete, dass bereits in der Nacht ein iranischer Staatsbürger - sein mutmaßlicher Beifahrer - festgenommen worden sein soll. Eine Bestätigung von der Polizei liegt hierzu bislang nicht vor.
Täter war nach Amokfahrt zu Fuß geflüchtet
Nach ersten Erkenntnissen fuhr gegen 22 Uhr ein weißer Van im Tiergarten über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße in die Menschenmenge, bis er in einen Baum krachte und dadurch gestoppt wurde.
Der Citroën soll vor der Tat angemietet worden sein. Das Fahrzeug wurde am Tatort sichergestellt.
Der Täter verließ den Lieferwagen nach der Tat und setzte seine Flucht zu Fuß fort. Dabei soll er weitere Menschen mit einer Machete verletzt haben.
Die Polizei erhoffte sich Hinweise aus der Bevölkerung, warnte jedoch eindrücklich davor, sich dem Gesuchten zu nähern.
Angaben können über das Hinweisportal der Polizei Berlin gemacht werden. Hier ist es auch möglich, Fotos und Videos hochzuladen.
Hinweise können zudem über das Hinweistelefon 030/54024111 oder bei jeder Polizeidienststelle gegeben werden.
Erstmeldung von 13.26 Uhr, aktualisiert um 19.53 Uhr.