Keine Lust auf Ruhestand: Diese Bibliothekarin will 5400 Kilometer durch Berlin laufen

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Berlin - Langeweile kam für Renate Zimmermann (66) nicht infrage. Statt die Füße hochzulegen, hat sich die ehemalige Bibliothekarin vorgenommen, ganz Berlin zu durchqueren.

Renate Zimmermann (66) ist auf Instagram unter dem Profilnamen "bibliothekarin.laeuft" aktiv.
Renate Zimmermann (66) ist auf Instagram unter dem Profilnamen "bibliothekarin.laeuft" aktiv.  © TAG24/Marlen Rothenburg

TAG24 trifft sie im Bezirk Steglitz für ihre geplante Route durch den Ortsteil Lichterfelde. Bevor es losgeht, aktiviert Zimmermann ihren GPS-Tracker. Handy und Powerbank sind ihre wichtigste Ausrüstung.

Wir laufen los - doch immer wieder hält sie an, dokumentiert Gebäude, Straßenzüge und Details. Alles fließt später in ihren Tagesbericht ein.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt entstand eher zufällig. "Ich hatte ein sehr aktives Berufsleben, eigentlich rund um die Uhr", erzählt die Berlinerin. "Die Vorstellung, gar keine Aufgabe mehr zu haben, fand ich sehr gruselig."

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Dann las sie von einem jungen Mann, der alle Straßen New Yorks abgelaufen war. "Da habe ich gedacht: Das ist die Idee. Berlin wollte ich schon immer mal komplett kennenlernen, habe aber nie gewusst, wie ich das anstellen soll."

Heute sagt sie: "Ich bin so glücklich über diese Idee." Das Projekt hält sie körperlich fit und gibt ihr zugleich die Möglichkeit, weiterhin zu schreiben.

Keine Straße wird ausgelassen

Renate Zimmermann überlässt nichts dem Zufall: Neben der digitalen Karte führt sie alle Straßen auch handschriftlich.
Renate Zimmermann überlässt nichts dem Zufall: Neben der digitalen Karte führt sie alle Straßen auch handschriftlich.  © TAG24/Marlen Rothenburg

Zimmermann geht ihre Herausforderung strukturiert an. Auf ausgedruckten Karten markiert sie ihre Tagesrouten, orientiert sich an Ortsteilgrenzen und Hauptstraßen. "Ich habe zwar auch alles auf dem Handy, aber ich habe immer einen Plan auf Papier."

Pro Tour legt die 66-Jährige bis zu 25 Kilometer zurück, oft ist sie sechs bis acht Stunden unterwegs. Dabei achtet sie genau darauf, keine Straße auszulassen - selbst wenn das bedeutet, noch einmal umzukehren.

Ihre Tracking-App zeigt ihr, welche Straßen noch fehlen. Zusätzlich hat sie einen Zettel, auf dem sie handschriftlich vermerkt, wo sie abbiegen muss.

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Auf ihren Wegen entdeckt sie Berlin immer wieder neu. "Oft merke ich erst hinterher, an welchem bedeutenden Ort ich vorbeigekommen bin", sagt sie.

Die in Marzahn lebende Ruheständlerin ist selten allein. Freunde und Bekannte begleiten sie regelmäßig, manchmal auch Fremde, die sich vorab melden. Über soziale Netzwerke haben sich bereits zahlreiche Kontakte ergeben. "Es ist vielleicht übertrieben", sagt sie, "aber ich denke, dass ich die Leute verbinde."

Angst habe sie auf ihren Touren nie. Im Gegenteil: Ihre Begegnungen seien bislang durchweg freundlich gewesen.

Ein Projekt für Jahre

Die ehemalige Bibliothekarin prüft zwischendurch, ob sie noch auf ihrer geplanten Route ist.
Die ehemalige Bibliothekarin prüft zwischendurch, ob sie noch auf ihrer geplanten Route ist.  © TAG24/Marlen Rothenburg

Zimmermanns Ziel ist ambitioniert: Rund 11.500 Straßen und etwa 5400 Kilometer umfasst Berlin. Da sie manche Straßen doppelt läuft, rechnet sie insgesamt mit etwa 7000 Kilometern. Rund 650 Straßen hat sie bereits geschafft.

Sie selbst plant sieben bis acht Jahre für das Projekt ein. Ihr Sohn hat nachgerechnet - theoretisch wäre es auch in drei Jahren machbar. Doch Eile hat Zimmermann nicht. Für sie zählt der Weg.

Für andere Menschen, die in Rente gehen, hat die frühere Angestellte einen klaren Rat: "Ich würde unbedingt empfehlen, sich etwas zu suchen, bei dem man in Bewegung ist. Sonst geht es ganz schnell bergab", sagt sie.

Ihr nächstes Ziel steht bereits fest: In Charlottenburg-Wilmersdorf warten nicht nur neue Straßen, sondern auch Einladungen von Menschen, die sie unterwegs treffen möchte.

Adressen und Namen potenzieller Gastgeber hat sie fein säuberlich in einem Notizbuch gesammelt - nach Bezirken sortiert. Ganz Bibliothekarin eben.

Titelfoto: TAG24/Marlen Rothenburg

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