Von Anja Mia Neumann
Frankfurt/Oder - Mopeds im Kirchenschiff, Karat-Hymne und Segen für Fahrer: In Brandenburg feiern Simson-Fans einen besonderen Gottesdienst für die kultigen DDR-Zweiräder. Mit Grußbotschaft aus dem Bundestag.
Mehrere Fahrzeuge standen dabei im Inneren der evangelischen Dorfkirche Hohenwalde neben dem Altar, während Pfarrerin Susanne Noack ihre Predigt hielt.
Sie sprach über den Zusammenhalt in der Schrauberszene und dass die Mopeds Jung und Alt verbinden.
Dann ertönte das Lied "Über sieben Brücken musst Du gehn" von Karat - und die Simson-Gemeinde stimmte ein.
Vom Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow (70, Linke) gab es eine aufgezeichnete Grußbotschaft in der Kirche zu Ehren der Kult-Mopeds: "Es ist einfach fantastisch, dass diese Fahrzeuge heute faktisch unkaputtbar sind und ein Beweis der deutschen Einheit auf eine sehr spezielle Art [sind], nämlich aus der ostdeutschen Perspektive."
Simson stehe für die deutsche Einheit auf eine sehr besondere Art.
Persönlicher Segen für die Mopeds und ihre Fahrer
"Ich wünsche uns Gottes Segen, dass jeder, der so unterwegs ist, auch heil wieder ankommt", sagte Ramelow zum Schluss. Und auch die Pfarrerin bot draußen nach dem Gottesdienst ihren persönlichen Segen für Mopeds und deren Fahrer und Fahrerinnen an.
Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult. Die Nachfahren der jüdischen Familie Simson aus Thüringen wehrten sich zuletzt allerdings gegen eine Vereinnahmung der Marke durch die AfD.
Der Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum, teilte mit: Die Familie empfinde es als beleidigend, im Zusammenhang mit einer Partei genannt zu werden, die "überwiegend extremistisch" sei.
Politiker wie der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke nutzen Simson immer wieder als politisches Symbol. Dieser nannte die Äußerungen der Nachfahren der Familie "befremdlich".