Träumen von Berlin: Neuer Musical-Hit "Wir sind am Leben" begeistert bei Premiere
Berlin - "Wir sind am Leben" nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1990, als zwischen besetzten Häusern und durchtanzten Nächten, Heimatverlust und Aufbruchstimmung so vieles möglich scheint. Bei der Premiere im Theater des Westens wurde Berlins neuer Musical-Hit begeistert aufgenommen. TAG24 war dabei.
In ihrem fünften gemeinsamen Musical erzählen Peter Plate (58, Rosenstolz) und Ulf Leo Sommer (55) von ihrem Berlin - vom pulsierenden Leben dieser Stadt, in das sie selbst kurz nach der Wende begeistert eintauchten.
Berlin - für das Komponisten-Duo sind das vor allem die Menschen, die dort leben, lieben, lachen und weinen. So wie die Mitglieder der schrillen WG aus dem "Konsum Hoffnung", die in einem besetzten Haus in Friedrichshain ein Sorgentelefon betreiben und von einer besseren Welt träumen.
Nina (Celina dos Santos) ist aus der Lutherstadt Wittenberg nach Berlin gekommen, um Musikerin zu werden. Etwas später folgt ihr kleiner Bruder Mario (Markus Spargel) nach, der auf der Suche nach sich selbst die Liebe findet - in der anmutigen Gestalt von Tänzer Nando (Daniel Pohlen) aus Havanna.
Nando ist zwar mit Bruno (Jörn-Felix Alt) zusammen, der in Nachtclubs als Marlene-Dietrich-Double auftritt, doch auch in Sachen Liebe ist man im "Konsum Hoffnung" eher freiheitlich gesinnt.
Und trotzdem: auch nach dem Ende des Kalten Krieges ist das Leben kompliziert, manchmal beängstigend und oft ganz schön ungerecht. Für Bruno bricht eine Welt zusammen, als er erfährt, dass er AIDS hat. Rosi (Steffi Irmen) - die Mutter von Nina und Mario - betrauert immer noch den Verlust ihres Friseurladens und ist gekommen, um zumindest ihren Mario zurückzuholen.
"Wir sind am Leben": Eine Feier der Liebe und der Freundschaft
Nach einem ersten Kulturschock entwickelt sich nicht nur zwischen Rosi und Bruno eine zarte Verbindung - bald wird die resolute Friseurmeisterin zur Verbündeten der bunten Friedrichshainer Wohngemeinschaft.
Und so ist neben der Liebe auch die Freundschaft eines der großen Themen des Musicals, die Fürsorge und das Füreinander-Dasein über Familienbande hinaus.
Das Publikum durchlebt an diesem Abend die ganze Spannweite der Gefühle, es wird viel gelacht, hier und da ein Tränchen verdrückt, dann wieder begeistert mitgeklatscht.
So dynamisch und facettenreich wie das Bühnenbild sind auch die Songs: Mal rührend wie in "Ich werd' nicht weinen", mal mitreißend wie in "Kupferrot", bis dann "Supernovadiscoslut" am Ende den ganzen Theatersaal noch einmal in einen Berliner Club verwandelt.
Am Ende gibt es Standing Ovations. Das Berlin der 90er mag es nicht mehr geben, doch vielleicht existiert etwas von der Hoffnung jener Jahre weiter: in den Menschen, die den Glauben daran nicht aufgeben wollen, dass "die schönste Stadt der Welt" immer noch die "Freiheit" ist, wie es in "Supernovadiscoslut" heißt.
Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

