Wegen Nahost-Konflikt: Deutscher Verein stellt Spielbetrieb aus Sicherheitsgründen ein!

Berlin - Wenige Tage nach dem kriegerischen Angriff der terroristischen Hamas fordert der Nahostkonflikt auch im deutschen Fußball die ersten Konsequenzen.

Der Sportverein Makkabi Berlin, dem etliche jüdische Sportler angehören, hat aufgrund von Sicherheitsbedenken seine kommenden Spiele abgesagt.
Der Sportverein Makkabi Berlin, dem etliche jüdische Sportler angehören, hat aufgrund von Sicherheitsbedenken seine kommenden Spiele abgesagt.  © Andreas Gora/dpa

Der Israel-Angriff ist auch in der Bevölkerung Berlins ein Thema. Sportverein TuS Makkabi hat die Reißleine gezogen und den Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt.

Knapp zwei Monate nach der ersten Teilnahme eines jüdischen Vereins am DFB-Pokal ist dies ein Tiefschlag für den 1970 gegründeten Klub, der seit Jahren auch nicht-jüdische Menschen aufnimmt, die etwa 75 Prozent aller Mitglieder ausmachen.

"Wir sind eine multikulturelle Truppe bei Makkabi, die Spieler kommen aus 16 verschiedenen Nationen. Aber weil wir ein jüdischer Verein sind, sind wir auch immer alarmiert", äußert Doron Bruck (28), Kapitän der Fußballer aus der fünftklassigen Oberliga und selbst israelischer Nationalität, im Tagesspiegel.

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Präsident Alon Meyer bringt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Lage knallhart auf den Punkt:

"Dass wir aufgrund einer Eskalation im Nahen Osten einen sicheren Spiel- und Trainingsbetrieb eines jüdischen Vereins nicht mehr aufrechterhalten können, ist eine absolute Niederlage für uns alle."

TuS Makkabi Berlin stand 2022 im Mittelpunkt eines antisemitischen Angriffs

Makkabi-Präsident Alon Meyer spricht von einer "absoluten Niederlage für uns alle".
Makkabi-Präsident Alon Meyer spricht von einer "absoluten Niederlage für uns alle".  © Fabian Strauch/dpa

Meyer ist nicht nur Präsident in Berlin, sondern auch von TuS Makkabi Frankfurt. Während dort nach Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen der Spiel- und Trainingsbetrieb fortgeführt werden könne, sei dies in Berlin nicht mehr möglich gewesen.

Bereits am vergangenen Wochenende wurden aufgrund der kritischen Situation die Partie der Oberliga-Fußballer in Neustrelitz sowie das Heimspiel der Basketballer abgesagt. Der Makkabi-Präsident spricht von "massiven Maßnahmen, die ergriffen worden sind".

In Berlin wurden zu Beginn der Woche an Häuserwände Israel- und judenfeindliche Hetzparolen geschmiert, an einer Neuköllner Schule kam es deswegen zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Schülern und Lehrern.

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Zudem musste die Polizei eine Palästina-Demonstration verbieten.

Vor dem gewonnenen Berliner Landespokalfinale im Juni 2023 setzen das Team von Makkabi Berlin und Gegner Sparta Lichtenberg ein Zeichen.
Vor dem gewonnenen Berliner Landespokalfinale im Juni 2023 setzen das Team von Makkabi Berlin und Gegner Sparta Lichtenberg ein Zeichen.  © Matthias Koch/dpa

Makkabi Berlin im Besonderen sah sich bereits im November vergangenen Jahres massivem Judenhass ausgesetzt, als es im A-Jugend-Spiel mit CFC Hertha 06 zu antisemitischen Beleidigungen und Attacken kam.

Einer der Täter: der Sohn von Hertha-06-Vizepräsident Ergün Cakir (39), der anschließend voller Überzeugung in einer ARD-Doku Ende Januar äußerte: "Mein Sohn wird sein Leben lang die Juden hassen."

Cakir und sein Sohn wurden infolgedessen für zwei Jahre gesperrt.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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