Tennismatch holt Bürgermeister wieder ein: Hat Wegner erneut gelogen?

Berlin - Spiel, Satz und Lüge? Kai Wegner (53, CDU) könnte sein wohl berühmtestes Tennismatch Anfang des Jahres erneut um die Ohren fliegen. Hat es der Bürgermeister ein zweites Mal mit der Wahrheit nicht ganz ernst gemeint?

Kai Wegner (53, CDU) schaut auf sein Handy.
Kai Wegner (53, CDU) schaut auf sein Handy.  © Christophe Gateau/dpa

Sein Arbeitspensum vor dem Tennismatch war offenbar deutlich übersichtlicher, als er immer behauptet hatte, wie der Tagesspiegel berichtet.

Zur Erinnerung: Am 3. Januar kam es in Zehlendorf durch einen Brandanschlag zu einem Mega-Blackout. Rund 100.000 Menschen waren teilweise tagelang bei eisigen Temperaturen ohne Strom und Heizung. Anstatt gleich am Samstag vor Ort im Krisengebiet Präsenz zu zeigen, blieb der Bürgermeister im Homeoffice, was ihm viel Kritik einbrachte.

Was er allerdings zunächst verschwieg: In der Mittagszeit gönnte sich Wegner ein Tennismatch mit seiner Partnerin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU). Erst Tage später machte er die Sportstunde offen, "um den Kopf freizukriegen", auch wegen des Arbeitspensums.

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"Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren." Er habe sich "zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne", behauptete Wegner noch bei einer Pressekonferenz am 4. Januar, einen Tag nach dem Anschlag.

Franziska Giffey konnte Kai Wegner nicht erreichen

Geben auch beim Tennis sicherlich eine gute Figur ab: Bürgermeister Kai Wegner und seine Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU).
Geben auch beim Tennis sicherlich eine gute Figur ab: Bürgermeister Kai Wegner und seine Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU).  © Britta Pedersen/dpa

Das stellte sich durch RBB-Recherchen als unwahr heraus und auch das dichte Arbeitspensum vom Vormittag, mit dem er die Tennis-Pause rechtfertigte, war offenbar gar nicht so dicht. Dies geht unter anderem aus Informationen zu Wegners Tätigkeiten Anfang Januar hervor, welche die Senatskanzlei nach einem Eilantrag des Tagesspiegels vor dem Berliner Verwaltungsgericht nun erstmals freigegeben hat.

Demnach habe der Bürgermeister gar nicht - wie noch bei Welt TV behauptet - mit dem Kanzleramt, dem Stromnetz Berlin oder dem Bundesinnenminister vor dem Tennismatch telefoniert. Vielmehr hat Wegner in der Zeit zwischen 8 Uhr und 13 Uhr demnach lediglich "im Austausch mit verschiedenen Stellen der Senatskanzlei, anderen Senatsmitgliedern und Teilen des Krisenstabs" gestanden.

Interessant: Nachdem Wegner am Samstagmorgen mit Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) geschrieben hat, er gegen 8.50 Uhr erstmals in Kontakt mit der Senatskanzlei stand, telefonierte der CDU-Politiker um 12.45 Uhr mit Franziska Giffey (47, SPD). Das war eine Viertelstunde vor dem Tennismatch.

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Nach Tagesspiegel-Informationen konnte Giffey den Bürgermeister am Vormittag nicht erreichen. Erst am frühen Mittag erfolgte dann Rückruf. Wann genau der verpasste Anruf war, geht nicht hervor. Zwischen 13 und 14 Uhr kann es aber nicht gewesen sein, denn während des Tennismatches war Wegner stets erreichbar, wie er mehrfach erklärte. Sein Handy war an.

Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

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