Ticketkontrollen umgehen: Berliner Student entwickelt "Blitzer-App" für Nahverkehr
Berlin - Mit "FreiFahren" können Berlinerinnen und Berliner Kontrollen in Bussen und Bahnen melden und auf einer Karte sehen, wo Kontrolleure unterwegs sind.
Entwickelt wurde die Anwendung von TU-Student Johan Trieloff (21). Die Idee entstand bereits im Jahr 2023 während Trieloffs erstem Semester.
Auslöser sei das Buch "Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich" gewesen, das beschreibt, wie Menschen mit geringem Einkommen juristisch deutlich härter bestraft werden. "Mich hat dieses Kontrollregime emotional sehr aufgebracht", sagt der Entwickler in einem Interview mit der "taz" zu den Gründen.
Die App funktioniert nach dem Prinzip einer digitalen Warnkarte: Wer eine Kontrolle entdeckt, kann sie mit wenigen Klicks melden. Die Informationen werden anschließend für andere Nutzer sichtbar.
Die App könne inzwischen auch Muster erkennen und beispielsweise anzeigen, in welche Richtung sich Kontrollteams möglicherweise bewegen.
Trieloff sieht "FreiFahren" nicht nur als Hilfsmittel für Menschen ohne Ticket. Viele Nutzer hätten selbst ein Ticket, würden aber aus Solidarität mitmachen. "Die zweite Zielgruppe sind Menschen, die häufig selbst ein Ticket besitzen, aber das Problem im System erkennen und etwas dagegen tun wollen", erklärt er.
Der Entwickler betont jedoch auch: Eine Garantie, nicht erwischt zu werden, gebe es nicht. "Am sichersten ist es natürlich immer, sich ein Ticket zu kaufen, wenn man die Mittel dazu hat", sagt Trieloff.
Kritik an Kontrollsystem im Nahverkehr
Die Verkehrsbetriebe haben sich laut Trieloff bislang nicht an ihn gewandt.
Er sieht die App als Reaktion auf ein größeres gesellschaftliches Problem. Es gehe nicht darum, Kontrolleure anzugreifen, sondern um die Frage, wie mit Menschen umgegangen werde, die sich ein Ticket nicht leisten können.
Auch rechtliche Konsequenzen fürchtet der 21-Jährige nicht. Er vergleicht die App mit Blitzer-Warnungen im Straßenverkehr. "Im Prinzip ist es nichts anderes, als wenn ich einem Kumpel eine Nachricht schicke, dass ich gerade kontrolliert wurde", sagt er.
Für die Zukunft plant das Team weitere technische Verbesserungen und eine Ausweitung auf andere Städte. Ziel sei es, noch genauer Muster bei Kontrollen erkennen zu können.
Titelfoto: Carsten Koall/dpa

