Berlin - Es sollte ein unbeschwerter Geburtstag mit Freunden werden. Sonne, 28 Grad und eine Party auf einem Ausflugsboot auf dem Berliner Wannsee. Doch für Regisseur Ersin Cilesiz (40) nahm der Tag eine dramatische Wendung: Nach einem Kopfsprung ins Wasser ist er querschnittsgelähmt.
Es war der 11. Juli, als Cilesiz mit rund 20 Freunden auf dem gemieteten Boot unterwegs war. Die Stimmung war ausgelassen.
Als der Kapitän an einer abgelegenen Badestelle stoppte, wollten die Gäste ins Wasser springen. Nach Angaben mehrerer Zeugen soll der Kapitän dabei mehrfach gesagt haben, dass man problemlos springen könne und das Wasser tief genug sei.
Doch der vermeintlich harmlose Sprung wurde zur Katastrophe, denn an der Stelle soll das Wasser lediglich etwa einen Meter tief gewesen sein. Beim Kopfsprung prallte der 40-Jährige auf den Grund und brach sich das Rückgrat auf Höhe der Brust. Seit diesem Moment kann er seine Beine nicht mehr bewegen.
Cilesiz’ Freundin Julia (32) war ebenfalls an Bord. Seit vier Jahren sind die beiden ein Paar. "Ich habe den Sprung nicht gesehen, hörte dann die Schreie. Er hielt seinen Kopf mit den Händen fest und schrie: 'Ich spüre meine Beine nicht mehr!'", berichtet sie gegenüber der "Bild".
Nach Angaben der Freundin waren weder Cilesiz noch seine Gäste betrunken. Alkohol sollte erst später getrunken werden.
Freunde starten Spendenaktion für Ersin Cilesiz
Der Regisseur war offenbar der Erste, der ins Wasser springen wollte. "Alle anderen standen schon in einer Reihe, es hätte jeden treffen können", sagt Julia.
Freunde sprangen sofort ins Wasser, um ihrem schwer verletzten Freund zu helfen. Andere setzten den Notruf ab. Schließlich wurde Cilesiz mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht.
Dort kämpft der 40-Jährige bis heute mit den Folgen des Unfalls. Nach einer Notoperation wurde er intubiert. Mittlerweile kann er wieder alleine atmen, sprechen bislang nicht. Doch über ein Tablet kann Cilesiz mit seinen Besuchern kommunizieren.
Seine Freunde lassen ihn in dieser schweren Zeit nicht allein. Sie besuchen ihn regelmäßig im Krankenhaus und haben zudem eine GoFundMe-Spendenaktion gestartet. Ihr Ziel: 200.000 Euro.
Mit dem Geld soll Cilesiz unter anderem ein behindertengerechtes Auto bekommen. Auch Therapien und weitere Hilfen für seinen Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben sollen damit finanziert werden.
War der Kapitän mitverantwortlich?
Unterdessen ist auch die Frage offen, ob der Kapitän des Ausflugsbootes eine Mitschuld an dem schweren Unfall tragen könnte. Möglicherweise könnte auch eine bislang unbekannte Sandbank für die geringe Wassertiefe verantwortlich sein.
Die Polizei hat die Ermittlungen übernommen.
"Ich bin ehrlicherweise froh, dass er überhaupt überlebt hat. Das stand laut den Ärzten auf der Kippe", erklärt Julia. Nach aktuellem Stand gehen die Ärzte davon aus, dass er seine Arme bewegen können wird. Er sei ein kräftiger Mann.
Doch was die schwere Verletzung für die gemeinsame Zukunft bedeutet, kann Julia derzeit kaum abschätzen.