Vorsicht vor Badeseen: Gefährliche Keime breiten sich in Berlin und Brandenburg aus

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Berlin - Antibiotika-resistente Bakterien sind längst nicht mehr nur ein Problem von Krankenhäusern – sie stecken auch in unseren Gewässern. Eine neue Studie des Leibniz-Instituts zeigt jetzt: Selbst abgelegene Seen sind betroffen.

Selbst in beliebten Seen wie dem Müggelsee wurden zahlreiche Antibiotika-resistente Bakterien nachgewiesen.
Selbst in beliebten Seen wie dem Müggelsee wurden zahlreiche Antibiotika-resistente Bakterien nachgewiesen.  © Jens Kalaene/dpa

Ein Team von Forschern hat Wasser- und Sedimentproben aus sechs Gewässern in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Auch Zu- und Abflüsse einer großen Berliner Kläranlage wurden unter die Lupe genommen.

Das erschreckende Ergebnis zeigt, dass in städtischen Gewässern eine besonders hohe Vielfalt an Genen nachgewiesen wurde, die für Antibiotika-Resistenzen verantwortlich sind. Besonders stark belastet waren die Zu- und Abflüsse der Kläranlage. Doch auch in Berliner Seen wie dem Müggelsee und dem Weißen See wurden zahlreiche dieser Resistenzgene nachgewiesen.

Selbst weit außerhalb der Städte wurden resistente Keime gefunden. In einem Teich mitten in der brandenburgischen Feldlandschaft traten mehrere Resistenzgen-Klassen auf – wenn auch in geringerer Vielfalt. In einigen ländlichen Seen wie dem Stechlinsee oder dem Dagowsee gab es im Oberflächenwasser zwar keine direkten Nachweise, in den Sedimenten zeigte sich jedoch ein anderes Bild.

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"Interessant und besorgniserregend ist der Nachweis von Resistenzgenen in den Sedimenten", erklärt Studienautor Prof. Alex Greenwood. Diese Bodenschichten könnten Belastungen über lange Zeit speichern – auch wenn das Wasser darüber sauber wirkt.

Keime stammen aus Haushalten, Krankenhäusern und Landwirtschaft

Selbst moderne Kläranlagen können nicht alle Keime entfernen.
Selbst moderne Kläranlagen können nicht alle Keime entfernen.  © Corinna Schwanhold/dpa

Insgesamt identifizierte das Team 18 verschiedene Klassen von Resistenzgenen. Selbst moderne Wasseraufbereitung konnte diese nur teilweise entfernen – im Abfluss der Kläranlage blieben noch 16 Klassen nachweisbar.

Nach Angaben der Forschenden stammen die Belastungen vor allem aus menschlichen Quellen wie Haushalten, Krankenhäusern und Landwirtschaft.

Auch die Nutzung der Gewässer spielt offenbar eine Rolle: Je intensiver ein See genutzt wird, etwa durch Badende oder Schifffahrt, desto höher die Belastung.

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Antibiotika-Resistenzen gelten weltweit als wachsende Gesundheitsgefahr und könnten sich unbemerkt über Wasserwege weiter ausbreiten. Weitere Studien sollen nun zeigen, wie groß das Problem tatsächlich ist.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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