Immer mehr Läden dicht! Was ist los im Chemnitzer Hauptbahnhof?

Chemnitz - Stark verkürzte Öffnungszeiten, Leerstand, Tristesse: Das Schienen-Portal zur Kulturhauptstadt, der Chemnitzer Hauptbahnhof, begibt sich immer mehr aufs Abstellgleis.

Nicht nur bei Subway sind die Schotten dicht: Viele Läden in der Bahnhofshalle verkürzten die Öffnungszeiten oder zogen aus.
Nicht nur bei Subway sind die Schotten dicht: Viele Läden in der Bahnhofshalle verkürzten die Öffnungszeiten oder zogen aus.  © Uwe Meinhold

Die Deutsche Bahn, verantwortlich für das Innenleben ihrer Immobilie, mauert zu Situation und Zukunft. Unter dem Label "Mein Einkaufsbahnhof - Immer für mich da" wirbt der Bahnhof um Kundschaft.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Bei Subway sind schon seit Monaten die Schotten dicht, die Bäcker-Kette "Le Crobag" ist ausgezogen. In den übrigen Läden variieren die Öffnungszeiten stark: Burger King öffnet neuerdings erst ab 12 Uhr, der Wiener Feinbäcker schließt bereits um 16 Uhr. Mitbewerber "Backwerk" hat an Sonn- und Feiertagen zu, "Ditsch" an Samstagen.

Ladenbetreiber berichten von ausgedünnten Personaldecken durch Corona (etwa der Bücherladen Press&Books) und fehlender Kundschaft. Google schätzt das Besucheraufkommen selbst zu Stoßzeiten als "mäßig besucht" ein.

Die Zahl der täglichen Fahrgäste ist bereits seit Jahren rückläufig

Der Bahnhof ist das Schienen-Portal für Gäste der Kulturhauptstadt.
Der Bahnhof ist das Schienen-Portal für Gäste der Kulturhauptstadt.  © Uwe Meinhold

Doch wie viele Fahrgäste zählt der Bahnhof pro Tag? DB-Sprecher Jörg Bönisch: "Bezüglich der Entwicklung der Reisendenzahlen wenden Sie sich bitte an den VMS. Wir werden uns als DB nicht zu den Belangen anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen äußern."

Der VMS wiederum verweist zurück auf die Deutsche Bahn. Laut TAG24-Informationen sinkt das Aufkommen kontinuierlich.

Waren es 2019 noch durchschnittlich 11.000 Bahngäste pro Tag, sank die Zahl 2020 bereits auf 10.000. 2021 dann der neue Tiefstand: Nur noch 8100 Fahrgäste erreichten täglich den Bahnhof der Europäischen Kulturhauptstadt 2025.

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CDU-Stadtrat und Ausschussmitglied für Stadtentwicklung und Mobilität, Andreas Marschner (41), erinnert daran, dass sich rund um den Hauptbahnhof einiges getan habe. Ein Dorn im Auge sei jedoch der völlig leere Bahnhofsvorplatz. Was das Innenleben angeht: "Hier muss die Initiative von der Deutschen Bahn kommen, wenn man Leute haben will, die mit ihren Geschäften in das Objekt einziehen."

Für den Bahnhofsvorplatz könnte sich Marschner ein kleinteiliges gastronomisches Angebot vorstellen, in dem Gebäude einen Mix aus regionalen Produkten.

Die Deutsche Bahn (DB) wirbt unter dem Label "Mein Einkaufsbahnhof".
Die Deutsche Bahn (DB) wirbt unter dem Label "Mein Einkaufsbahnhof".  © Uwe Meinhold
Stadtrat Andreas Marschner (41, CDU) sieht die DB in der Verantwortung.
Stadtrat Andreas Marschner (41, CDU) sieht die DB in der Verantwortung.  © Uwe Meinhold

Höchste Eisenbahn

Im Chemnitzer Hauptbahnhof muss sich bis 2025 noch einiges ändern, meint Redakteur Gabriel Schwab (28).
Im Chemnitzer Hauptbahnhof muss sich bis 2025 noch einiges ändern, meint Redakteur Gabriel Schwab (28).  © Kristin Schmidt

Kommentar von Gabriel Schwab

Es ist höchste Eisenbahn, dass im Hauptbahnhof die Weichen für 2025 gestellt werden. Nur noch drei Jahre, bis Gäste aus Europa über das Schienennetz in Chemnitz ankommen. Und noch so viel zu tun ...

Derzeit gestaltet sich die Ankunft am Hauptbahnhof als tristes Unterfangen. Schon an den Schienen grüßt der erste leere Laden, die Bahnhofshalle zeichnet dieses Bild weiter. Angekommen am Vorplatz, erwartet Gäste ebenfalls Leere.

Nicht einmal eine Stadtkarte, die einen ins Zentrum führt. Der Weg dorthin (die Bahnhofstraße) ist auf einem halben Kilometer gesäumt von Häusern, die besser, schlechter oder gar nicht saniert sind.

Es bleiben drei Jahre, bevor der Zug abgefahren ist. Drei Jahre für die handelnden Akteure, um Hauptbahnhofs-Gebäude, -Vorplatz und Bahnhofstraße mit Leben zu füllen.

Sonst wird sich manch ein Reisegast nach seiner Ankunft in der Europäischen Kulturhauptstadt fragen, ob er womöglich unterwegs falsch umgestiegen ist.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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