Carillonspieler Liebold attackiert 2025-Macher: "Kulturhauptstadt ist wie ein UFO"

Chemnitz - Die Kulturhauptstadt 2025 bekommt im September angeblich ein neues Logo. 15 Monate vor dem Start des Festjahres - für den Chemnitzer Sebastian Liebold (40) "eine kommunikative Katastrophe". Auch sonst lässt der Carillon-Musiker und Vorstand in Geschichtsverein sowie CDU Chemnitz kein gutes Haar an der Vorbereitung: "Die GmbH geht nicht auf die Macher und die Bürger vor Ort ein."

Carillonspieler Sebastian Liebold (40) übt scharfe Kritik an der Programmplanung der Kulturhauptstadt.
Carillonspieler Sebastian Liebold (40) übt scharfe Kritik an der Programmplanung der Kulturhauptstadt.  © Uwe Meinhold

Liebold habe sich mehrfach einbringen wollen in die Kulturhauptstadt. Als Carillonspieler habe er Glockenspiel-Musiker aus Holland und Belgien einladen wollen.

Der Geschichtsverein plante, mit Anwohnern über die Geschichte der Stadtteile zu sprechen, daraus ein Buch zu machen. "Alles ohne Erfolg."

Überhaupt würden Chemnitzer Themen wie Wendefolgen, DDR-Wunden oder Industriekultur unter Wert geschlagen.

Was plant die TU Chemnitz zur Kulturhauptstadt?
Chemnitz2025 Was plant die TU Chemnitz zur Kulturhauptstadt?

"Stattdessen drückt die GmbH den Menschen Ideen auf, die wie ein UFO wirken - Apfelbäume, Garagengeschichten. Aber lebensnahe Themen wie das Heckert oder eine Speakers Corner am Fluss fehlen", sagt Sebastian Liebold. "Die Kreativen haben verstanden, dass nur eine exklusive Gruppe ins UFO darf. Der Rest zieht sich zurück."

Der Chemnitzer fordert, die Kulturszene der Stadt "in Kalendern und Programmen sichtbarer zu machen".

Sebastian Liebold wollte europäische Glockenspieler zu einem Projekt ins Chemnitzer Rathaus einladen.
Sebastian Liebold wollte europäische Glockenspieler zu einem Projekt ins Chemnitzer Rathaus einladen.  © Uwe Meinhold
Bereits wieder Geschichte: Die geplante Apfelbaumparade zur Kulturhauptstadt 2025 fällt aus.
Bereits wieder Geschichte: Die geplante Apfelbaumparade zur Kulturhauptstadt 2025 fällt aus.  © Uwe Meinhold
Die Kulturhauptstadt will auch Geschichten von Garagenbesitzern erzählen. Stichwort: #3000 Garagen.
Die Kulturhauptstadt will auch Geschichten von Garagenbesitzern erzählen. Stichwort: #3000 Garagen.  © Ralph Kunz

TAG24 hatte zu den Fragen - von Logo bis Programmkritik - die Chemnitz 2025 GmbH um Stellungnahme gebeten. Bis zum Montagabend gab es keine Antwort.

Alles Wurst?

Kommentar von Bernd Rippert

Die Vorbereitung auf die Kulturhauptstadt 2025 in Chemnitz wird immer komplizierter. Kritik gibt es von allen Seiten, von Kulturschaffenden, Vereinen, Linken und Konservativen. Alle haben das Gefühl: Es kommt nichts voran.

Das hatte auch die EU bereits scharf kritisiert. Sie vermisste in ihrem Sachstandsbericht neben effektiver Kommunikation vor allem ein strukturiertes Management.

Daran scheint sich seitdem nichts zu ändern. Jetzt kommt auch noch Ärger um den Kulturhauptstadt-Newsletter hinzu. Schon bisher eine sehr bunte Mischung aus Ferienaktion und Brühlforum, bietet der offizielle Brief der GmbH an die Chemnitzer jetzt sogar noch Werbung für eine Currywurstbude. Kernaussage: Die Currywurst gibt es jetzt auch mobil.

Das klingt sehr innovativ. Doch die Wurst hat auch ein politisches Geschmäckle, ist der Unternehmer doch ein bekanntes SPD-Mitglied.

Wisst Ihr, was das Jahr 2025 für uns Chemnitzer bringen wird? Ich auch nicht. Ich denke, es wird Zeit für einen Neustart der Kulturhauptstadt. Denn Wurst sollte uns dieses Ereignis nicht sein.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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