Erneute Attacke! Chemnitzer Verein im Visier von radikalen Abtreibungs-Befürwortern

Chemnitz - Das Familienzentrum des Vereins KALEB in der Augustusburger Straße in Chemnitz ist zum zweiten Mal Ziel eines politisch motivierten Anschlags geworden. Heiligabend flogen Farbbeutel auf das Vereinshaus, Parolen wie "Abtreibung legalisieren" wurden großflächig auf Fassade und Fenster gesprüht. Hintergrund der Attacke, die rund 4000 Euro Schaden verursachte: Der christlich geprägte Verein spricht sich gegen Abtreibungen aus.

Die Parolen an der Fassade wurden provisorisch verdeckt und sollen in den nächsten Tagen entfernt werden.
Die Parolen an der Fassade wurden provisorisch verdeckt und sollen in den nächsten Tagen entfernt werden.  © Haertelpress

"Die Straftat wird als extremistisch motiviert eingeordnet. Deshalb ermittelt der Staatsschutz", sagt Polizeisprecherin Jana Ulbricht (47). Nach der Tat wurden Reste von Farbbeuteln gefunden. Eine ähnliche Farbattacke hatte es bereits 2023 gegeben.

Das Familienzentrum hat seit dieser Woche wieder geöffnet. Der Geschäftsführer Ernst von Heyking (66) denkt über Sicherheitsmaßnahmen nach: "Wir möchten eigentlich als offenes Haus wahrgenommen werden. Aber nach dem wiederholten Angriff sehen wir uns genötigt, eine Kameraüberwachung installieren zu lassen, und überlegen, zusätzlich einen Zaun zu ziehen."

Über die Attacke selbst sagt er: "Wir sind entsetzt. Wir würden uns lieber von Angesicht zu Angesicht mit den Menschen unterhalten, die eine andere Meinung haben als wir."

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Der Verein betreibt eine Schwangerenberatungsstelle, die vom Sächsischen Sozialministerium anerkannt und gefördert ist, aber keine Beratungsscheine ausstellt, die für einen Schwangerschaftsabbruch nötig sind.

"Wir werden ausschließlich auf dieses Thema stigmatisiert, dabei macht das maximal fünf Prozent unserer Arbeit aus", so Heyking. "Wir unterstützen Familien auf vielfältige Weise."

Ernst von Heyking (66) leitet seit knapp drei Jahren das Familienzentrum von KALEB - Region Chemnitz.
Ernst von Heyking (66) leitet seit knapp drei Jahren das Familienzentrum von KALEB - Region Chemnitz.  © privat

Dafür steht KALEB

Das vom Verein "Haus des Lebens" genannte Gebäude wurde mithilfe von Spenden errichtet.
Das vom Verein "Haus des Lebens" genannte Gebäude wurde mithilfe von Spenden errichtet.  © Haertelpress

Den Verein KALEB gibt es seit 1990 in Chemnitz. Der Name der biblischen Figur steht für die Abkürzung "Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren". Zum Chemnitzer Verein gehören rund 100 Mitglieder.

Im 2017 errichteten "Haus des Lebens" in der Augustusburger Straße finden Kurse, Hilfsangebote und Beratungen statt.

Hier befindet sich auch die Bundesgeschäftsstelle von KALEB, der rund 25 Vereine in Deutschland angehören.

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Der Dachverband gehört zu den Organisatoren des jährlich stattfindenden "Marsch für das Leben", bei dem erklärte Abtreibungsgegner demonstrieren, begleitet von Gegenprotesten, deren Anhänger sich für liberalere Regelungen und die Abschaffung des Paragrafen 218 aussprechen.

Titelfoto: Bildmontage: privat, Haertelpress

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