Gefälschte Sex-Videos und Stalking: Alarmierender Trend auch in Chemnitz
Chemnitz - Ein Foto im Internet, ein manipuliertes Video, ein zerstörter Ruf: Was einmal online ist, lässt sich kaum noch kontrollieren. Besonders sogenannte Deepfakes - täuschend echte, aber gefälschte Bilder oder Videos - können für Betroffene gravierende Folgen haben. Diese Formen von digitaler Gewalt beschäftigen auch in Chemnitz zunehmend Beratungsstellen und Fachkräfte.
Besonders der prominente Fall um Collien Fernandes (44), die ihrem Ex-Ehemann Christian Ulmen (50) vorwirft, über Fake-Accounts manipulierte Nacktfotos und Sex-Videos von ihr verbreitet zu haben, sorgt bundesweit für Debatten.
Laut Franziska Herold (40), Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, spielt Gewalt im Internet auch in Chemnitz eine zunehmende Rolle - inzwischen bei etwa jedem vierten Beratungsfall.
Digitale Gewalt komme besonders häufig nach Trennungen vor, die nicht einvernehmlich verlaufen.
"Dabei sind Online-Belästigung und Cyberstalking bei Fällen, die der Frauenhilfe Chemnitz bekannt werden, häufiger vertreten als bildbasierte sexualisierte Gewalt und Identitätsmissbrauch - wie im Fall von Collien Fernandes", so Herold.
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Täter bleiben häufig anonym
Gefälschte Inhalte können sich im Internet rasend schnell verbreiten. "Für die Betroffenen bedeutet das häufig eine erhebliche zusätzliche Belastung in Form von Scham und öffentlicher Demütigung, die sie kaum oder gar nicht kontrollieren können", sagt Franziska Herold.
Die Täter bleiben dabei häufig anonym - und genau das macht die Strafverfolgung so schwierig. Denn obwohl viele dieser Taten strafbar sind, scheitert die Aufklärung oft an fehlenden Spuren, langen Verfahren und hohen Hürden vor Gericht.
"Insgesamt führen diese Faktoren dazu, dass die rechtliche Durchsetzung bei digitaler Gewalt für Betroffene sowohl komplex als auch belastend ist."
In Chemnitz gibt es Hilfe: Einrichtungen wie IKOS, der Verein "Wildwasser" und die Opferhilfe Sachsen beraten Betroffene, unterstützen bei Anzeigen und helfen beim Umgang mit digitalen Angriffen. Zusätzlich wird Präventionsarbeit an Schulen geleistet.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/Panama PicturesRalph Kunz, IMAGO/Bihlmayerfotografie
