100 Jahre Flughafen: Was in Chemnitz alles geplant war
Chemnitz - Als Sonderling aus Naturstein kündet das alte Flughafengebäude inmitten von Plattenbauten von einer Zeit, als an der Stollberger Straße Linienflüge nach Berlin, Prag und Amsterdam starteten. Am 2. Mai vor 100 Jahren wurde - nach rund anderthalb Jahren Bauzeit - der Flughafen Chemnitz eingeweiht. Zum Jubiläum zeigt eine Ausstellung seine Geschichte und die Entwicklung der Luftfahrt in Chemnitz.
Im Seitenflügel neben der alten Abflughalle steht ein Modell des Chemnitzer Flughafens, so wie er nie ganz vollendet wurde: mit Empfangsgebäude samt Tower, einer großen Sonnenterrasse und Biergarten am Rollfeld, zwei großen Hangars.
Enthusiasten des Chemnitzer Geschichtsvereins und des Chemnitzer Vereins für Luftfahrt haben alte Fotos, historische Fundstücke und Geschichten rund ums Fliegen in Chemnitz zusammengetragen.
Historiker Norbert Engst (42) führt zur Eröffnung der Ausstellung am 2. Mai ab 10 Uhr über das einstige Flughafenareal: "Eine der Flugzeughallen wurde nie errichtet, die zweite nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung demontiert. Ein asphaltiertes Rollfeld gab es nicht."
Der Historiker führt aus: "Die Flugzeuge landeten nach einem Anflug über die Stadt entgegen der Windrichtung auf einer Graspiste, in der sie bei Regen auch mal einsanken."
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Von Chemnitz an die Ostsee: Flugticket kostete 89 Mark
Bis 1962 konnten Karl-Marx-Städter im Reisebüro im "Chemnitzer Hof" Flüge zur Ostsee nach Barth buchen. Ein Ticket kostete 89 Mark.
"Nach dem Ende des Linienflugbetriebes wurde der Flughafen von Segelfliegern und Fallschirmspringern genutzt", so Engst. "1974 kam aufgrund des Wohnungsbauprogramms das Aus für den Flugbetrieb."
Die Ausstellung ist am 2. Mai, 20. Juni und 4. Juli jeweils 11 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen gibt es Extra-Führungen.
Jörg Vieweg (55) vom Bürgerverein Chemnitz-Helbersdorf erhofft sich einen Neuanfang für das imposante Relikt Chemnitzer Geschichte: "Vielleicht ist die Ausstellung ein Impuls, um das leer stehende Flughafengebäude wiederzubeleben."
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold, Repro: Uwe Meinhold

