Auch an Kritik wird nicht gespart: Erzgebirgskrimi-Star feiert Premiere in Chemnitz

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Chemnitz - Was passiert, wenn sich Oper und Schauspiel, Orchester und Chor eine einzige Bühne teilen? Die klamaukig-bunte Premiere von Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler" am Freitagabend im Chemnitzer Opernhaus geriet angesichts der aktuellen Debatte zum politischen Statement.

Tea Trifkovic als Christel von der Post in der Chemnitzer Inszenierung von "Der Vogelhändler".
Tea Trifkovic als Christel von der Post in der Chemnitzer Inszenierung von "Der Vogelhändler".  © Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Vorhang auf für Teresa Weißbach (45): Bevor Vogelhändler Adam (David Sitka) aus Tirol in die Pfalz wandert, um sich mit Christel von der Post (Tea Trifkovic) in allerlei Liebes-Techtelmechtel zu stürzen, taucht der "Erzgebirgskrimi"-Star als flatterhaft-energische Regieassistentin Irmi Polter auf – und tut das nach jeder Szene immer wieder, manchmal sogar mittendrin. Ihre Auftritte zerpflücken den ursprünglichen Stoff ziemlich, machen ihn aber gerade für Opern-Neulinge leicht verständlich.

Mal erklärt Irmi die Handlung (praktisch, da es, anders als bei italienischen Opern, keine Übertitel gibt), mal kommentiert sie den angestaubten Stoff - Uraufführung 1891 - mit moralischen Maßstäben von heute ("Jungfrauen als Freiwild, geht's noch?").

Dann hilft sie über vermeintliche Text-Stolperer, etwa als Vogelhändler Adam das Vogelfänger-Lied anstimmt - aber das stammt doch aus Mozarts "Zauberflöte"! Zwischendurch bläst sie sogar ins (Wald-)Horn und schmachtet immer wieder mit Inbrunst den Dirigenten an. "Benjamin! Reiners!"

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Der spielt buchstäblich mit und beweist dabei komödiantisches Talent. Vor allem aber führt er das Orchester mit großer Präzision durch den beschwingten Walzer-Reigen.

"Wo er recht hat ..." – Aktuelle Kritik wird eingebaut

Ist nicht nur beim Orchester dabei: Dirigent Benjamin Reiners mit Teresa Weißbach (43).
Ist nicht nur beim Orchester dabei: Dirigent Benjamin Reiners mit Teresa Weißbach (43).  © Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Jetzt wird auch klar, warum sich die Schumann-Philharmonie diesmal nicht im Bühnengraben "versteckt" hat: Sie ist Bestandteil der halbszenischen Aufführung und stellt samt spielfreudigem Opernchor zugleich das Bühnenbild.

Weitere Kulissen braucht es nicht - das glänzend aufgelegte Ensemble steht im Mittelpunkt, den Rest erklärt Regieassistentin Irmi. Teresa Weißbach taucht völlig ein in den Operettenklassiker und brilliert in ihrer Rolle als Mädchen für alles.

"Das ist ja spannender als ein Erzgebirgskrimi!", jauchzt sie und erntet herzliches Gelächter.

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Den stürmischsten Szenenapplaus bekommt allerdings Vogelhändler Adam, der im dritten Satz plötzlich vom Text abweicht, das reale Drama ums Schauspielhaus sowie die Umzugspläne ins (oder ans) Opernhaus offen kritiert: "Chemnitz verliert seinen Glanz für die Bilanz." Da meldet sich sogar Dirigent Reiners mitten im Stück zu Wort: "Wo er Recht hat ..." Der Kritik ein Ende setzt Komponist Carl Zeller höchstpersönlich als götterhafte Stimme aus dem Off: "Nun gut - aber jetzt bitte zurück zum Original."

Botschaft angekommen, zumindest beim Premierenpublikum, die der außergewöhnlichen, sehr lustigen und rundum gelungenen Inszenierung langen Beifall spendete.

Titelfoto: Bildmontage: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi (2)

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