Bob-Olympiasiegerin Schneiderheinze ist auf dem Weg zum Weltrekord

Chemnitz - Drei Meter vor der Rampe gibt es keinen Rückzug mehr, dann zählt nur noch Vertrauen. Genau darauf setzt Bob-Olympiasiegerin Anja Schneiderheinze (47), wenn sie am 7. März in der Show von Motocross-Stuntfahrer Luc Ackermann (28) in einem Buggy einen Tandem-Backflip wagt. Am Steuer in der Messe Chemnitz sitzt der portugiesische Freestyle-Profi Marco Carvalho (49), bekannt für waghalsige Tricks. Noch nie hat eine Olympiasiegerin als Beifahrerin einen solchen Rückwärtssalto gemacht - ein Weltrekord-Versuch. TAG24-Redakteur Raik Bartnik (56) hat mit Anja Schneiderheinze über Mut, Vertrauen und die Zeit nach der aktiven Karriere gesprochen.

Anja Schneiderheinze (l.) und Anschieberin Annika Drazek holten bei der Bob-WM 2015 in Winterberg Silber im Zweierbob.
Anja Schneiderheinze (l.) und Anschieberin Annika Drazek holten bei der Bob-WM 2015 in Winterberg Silber im Zweierbob.  © picture alliance/dpa

TAG24: Wie ist diese verrückte Idee entstanden?

Anja Schneiderheinze: Ich kenne Luc Ackermann als Thüringerin, habe ein paar Shows von ihm gesehen. Hinter den Kulissen sind wir ins Gespräch gekommen und er hat mich über Bob ausgefragt. Dann wollte er wissen, ob ich mir so was zutraue. Ich habe dann zugesagt, das war wie ein Reflex. Geschwindigkeit und Überschläge bin ich aus dem Bob ja gewöhnt.

TAG24: Wann hast Du gedacht, ich mache diesen Tandem-Backflip wirklich?

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Schneiderheinze: Angefangen hat das ganz locker. Aber als ich mir danach Videos angeschaut habe, dachte ich: Jetzt hast du dich vielleicht übernommen. Je näher der Termin rückt, desto mehr geht mir die Düse. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es mir nicht schlecht wird. Dass ich nicht irgendwie brechen muss im Helm.

TAG24: Du musst Dich voll auf Marco verlassen. Wie groß ist das Vertrauen?

Schneiderheinze: Sehr groß. Ich vertraue Marco und seinem Können. Aber natürlich ist das für ihn auch neu, weil sonst Gewichte auf dem Beifahrersitz sitzen - und jetzt eben ein lebender Mensch. Ich kann mich nur auf den Profi verlassen.

Buggy in der Luft: Bei der Freestyle-Show "Go Big or Go Home" am 7. März in Chemnitz soll es einen waghalsigen Tandem-Backflip geben.
Buggy in der Luft: Bei der Freestyle-Show "Go Big or Go Home" am 7. März in Chemnitz soll es einen waghalsigen Tandem-Backflip geben.  © Go Big or Go Home
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Schneiderheinze genießt Flair bei Olympia

Bob-Olympiasiegerin Anja Schneiderheinze (47) ist gerade als Kampfrichterin bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo.
Bob-Olympiasiegerin Anja Schneiderheinze (47) ist gerade als Kampfrichterin bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo.  © privat

TAG24: Wird vorher noch trainiert - oder ist das ein Sprung ins kalte Wasser?

Schneiderheinze: Wir werden das vorher auf jeden Fall noch mal proben. Aber irgendwann wird es ernst und dann gibt es diesen Punkt, an dem du einfach durchmusst.

TAG24: Du hast 2016 Deine aktive Karriere als Bobpilotin beendet, als Du schwanger warst. Was machst Du heute außer Rekorde planen?

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Schneiderheinze: Ich bin bei der Bundespolizei und mache vieles im Ehrenamt rund um den Sport. Und ich genieße das Familienleben. Ich habe einen Sohn, er ist acht.

TAG24: Du bist bei Olympia in Italien ...

Schneiderheinze: Ich bin bei großen Events oft als Kampfrichterin dabei, neutral und international eingesetzt. Wir überwachen praktisch den Ablauf, dass keine Fehler gemacht werden, dass niemand disqualifiziert werden muss. Es geht ums Gewichtkontrollieren, um Kufenmaterial und solche Sachen. Das ist jetzt eine andere Perspektive: Man ist mittendrin, aber mit Distanz.

TAG24: Wie erlebst Du Olympia?

Schneiderheinze: Italien in den Dolomiten ist traumhaft, ein ganz anderes Gefühl als China zu Corona-Zeiten, hier kann man das Flair richtig aufsaugen. Aber es ist eben auch anders, weil ich kein Sportler mehr bin. Ich erinnere mich daran, wie besonders dieses Event für die Athleten ist.

"Go Big or Go Home" - die Freestyle-Motocross-Show: Am 7. März in der Messe Chemnitz. Tickets gibt’s ab 39,50 Euro unter: www.eventim.de

Aus Erfurt an die Weltspitze

Anja Schneiderheinze und Annika Drazek (heute 30, verdeckt) fuhren 2016 beim Bob-Weltcup am Königssee jubelnd ins Ziel ein.
Anja Schneiderheinze und Annika Drazek (heute 30, verdeckt) fuhren 2016 beim Bob-Weltcup am Königssee jubelnd ins Ziel ein.  © picture alliance / dpa

Anja Schneiderheinze (47) gehört zu den großen Namen im deutschen Bobsport. Geboren am 8. April 1978 in Erfurt, startete sie erst im Eisschnelllauf durch, bevor sie 2001 in den Bob wechselte.

Zunächst war sie Anschieberin - die Powerfrau am Start. An der Seite von Sandra Kiriasis (heute 51) holte sie 2006 Olympia-Gold im Zweierbob in Turin. Dazu kamen große WM-Momente: 2005 sicherte sich das Duo den Titel im Zweierbob. Ab 2007 griff sie selbst an die Lenkseile und wurde Pilotin.

Im Weltcup fuhr sie ganz vorne mit, inklusive Gesamtweltcup-Podium und Siegen. Bevor sie 2016 kurz vor der Geburt ihres Sohnes ihre Karriere an den Nagel hing, holte sie noch einmal WM-Silber (2015) und Gold (2016).

Heute arbeitet sie bei der Bundespolizei.

Titelfoto: Bildmontage: privat

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