Altkleider-Notstand in Chemnitz: Letzter gewerblicher Sammler gibt auf
Chemnitz - Überfüllte Altkleidercontainer sind ein Dauerbrenner im Chemnitzer Mängelmelder. Nun droht das Problem vollends aus dem Ruder zu laufen, denn die Zahl der Altkleidercontainer im Stadtgebiet nimmt rapide ab. Der Grund: Mit dem Jahreswechsel haben die letzten gewerblichen Sammler ihre Tätigkeit in Chemnitz eingestellt.
Nach Auskunft der Stadtverwaltung sind davon 112 Standorte von Altkleider-Containern betroffen. "Seit dem 1. Januar 2026 gibt es im öffentlichen Straßenraum der Stadt Chemnitz nur noch einen Sammler im Rahmen des Standortkonzepts Alttextilien. Gewerbliche Sammler sind aktuell nicht mehr vertreten", so eine Stadt-Sprecherin.
Von einem gemeinnützigen Sammler werden laut Stadt noch 22 Stellflächen betrieben. Hinzu kommen 86 Container des Abfallwirtschaftsbetriebes (ASR).
Offiziell sind auf der Seite des ASR noch 283 Standplätze für die Entsorgung von Altkleidern verzeichnet. Nicht alle Standorte sind noch mit Containern bestückt.
Die gewerblichen Sammler haben begonnen, die ehemals von ihnen betriebenen Standorte zu räumen.
Versuch, die Standplätze neu zu vergeben, ist gescheitert
Aufgrund des Rückzugs der gewerblichen Verwerter von Alttextilien hatte die Stadt im Dezember einen Versuch unternommen, die Standplätze neu zu vergeben.
"Auf die letzte Ausschreibung sind keine Bewerbungen eingegangen. Vor diesem Hintergrund ist derzeit keine neue Ausschreibung vorgesehen", heißt es aus dem Rathaus.
Stadtrat Kai Hähner (52, CDU) sieht Handlungsbedarf: "Zumindest ein Teil der Standorte, die weggefallen sind, sollte vom ASR ersetzt werden. Außerdem gibt es eine Informationspflicht gegenüber den Bürgern."
Eine generelle Lösung des Dilemmas ist nicht in Sicht. Der ASR wurde mit der Entwicklung eines neuen Standortkonzeptes beauftragt. Als Zeitpunkt, wann es dem Stadtrat vorgelegt werden kann, sei "mit Blick auf die verwaltungsinternen Prozesse der September 2026 realistisch".
Branche am Boden
Mehr als 2000 Tonnen Alttextilien jährlich sammelten in der Vergangenheit gemeinnützige Organisationen und gewerbliche Textilverwerter in Chemnitz ein. Doch die Branche steht wirtschaftlich unter Druck.
Traditionelle Absatzmärkte, beispielsweise in Osteuropa, sind im Zuge einer größer werdenden Flut an Billigtextilien zusammengebrochen.
In Sachsen-Anhalt musste der Branchenriese Soex 2024 Insolvenz anmelden. Dank eines Teilverkaufs der Firma werden seit vorigem Sommer in Bitterfeld-Wolfen wieder Altkleider sortiert.
Fast zeitgleich ging in Apolda/Thüringen ein weiterer großer Verwerter pleite.
Aus dem einst lukrativen Geschäft, Altkleider zu sammeln, ist ein teures Problem geworden: Nach Erhebungen des ASR kostete die Entsorgung voriges Jahr rund 238 Euro pro Tonne.
Titelfoto: Ralph Kunz

