Altkleider-Notstand in Chemnitz: Letzter gewerblicher Sammler gibt auf

Chemnitz - Überfüllte Altkleidercontainer sind ein Dauerbrenner im Chemnitzer Mängelmelder. Nun droht das Problem vollends aus dem Ruder zu laufen, denn die Zahl der Altkleidercontainer im Stadtgebiet nimmt rapide ab. Der Grund: Mit dem Jahreswechsel haben die letzten gewerblichen Sammler ihre Tätigkeit in Chemnitz eingestellt.

Überall in der Stadt türmen sich aktuell Berge vor den Altkleidercontainern.
Überall in der Stadt türmen sich aktuell Berge vor den Altkleidercontainern.  © Ralph Kunz

Nach Auskunft der Stadtverwaltung sind davon 112 Standorte von Altkleider-Containern betroffen. "Seit dem 1. Januar 2026 gibt es im öffentlichen Straßenraum der Stadt Chemnitz nur noch einen Sammler im Rahmen des Standortkonzepts Alttextilien. Gewerbliche Sammler sind aktuell nicht mehr vertreten", so eine Stadt-Sprecherin.

Von einem gemeinnützigen Sammler werden laut Stadt noch 22 Stellflächen betrieben. Hinzu kommen 86 Container des Abfallwirtschaftsbetriebes (ASR).

Offiziell sind auf der Seite des ASR noch 283 Standplätze für die Entsorgung von Altkleidern verzeichnet. Nicht alle Standorte sind noch mit Containern bestückt.

Chemnitz: Erste Praxen ziehen in neue Chemnitzer Poliklinik
Chemnitz Lokal Erste Praxen ziehen in neue Chemnitzer Poliklinik

Die gewerblichen Sammler haben begonnen, die ehemals von ihnen betriebenen Standorte zu räumen.

Versuch, die Standplätze neu zu vergeben, ist gescheitert

So kann es nicht weitergehen, findet Stadtrat Kai Hähner (52, CDU).
So kann es nicht weitergehen, findet Stadtrat Kai Hähner (52, CDU).  © Ralph Kunz

Aufgrund des Rückzugs der gewerblichen Verwerter von Alttextilien hatte die Stadt im Dezember einen Versuch unternommen, die Standplätze neu zu vergeben.

"Auf die letzte Ausschreibung sind keine Bewerbungen eingegangen. Vor diesem Hintergrund ist derzeit keine neue Ausschreibung vorgesehen", heißt es aus dem Rathaus.

Stadtrat Kai Hähner (52, CDU) sieht Handlungsbedarf: "Zumindest ein Teil der Standorte, die weggefallen sind, sollte vom ASR ersetzt werden. Außerdem gibt es eine Informationspflicht gegenüber den Bürgern."

Chemnitz: Aus Pflegeheim verschwunden: Vermisste Chemnitzerin in Küchwald gefunden
Chemnitz Lokal Aus Pflegeheim verschwunden: Vermisste Chemnitzerin in Küchwald gefunden

Eine generelle Lösung des Dilemmas ist nicht in Sicht. Der ASR wurde mit der Entwicklung eines neuen Standortkonzeptes beauftragt. Als Zeitpunkt, wann es dem Stadtrat vorgelegt werden kann, sei "mit Blick auf die verwaltungsinternen Prozesse der September 2026 realistisch".

In Chemnitz gibt es immer weniger Container, in denen man seine Altkleider los wird. (Symbolfoto)
In Chemnitz gibt es immer weniger Container, in denen man seine Altkleider los wird. (Symbolfoto)  © imago/Michael Bahlo

Branche am Boden

Altkleider wurden in der Vergangenheit tonnenweise gesammelt und sortiert. (Symbolfoto)
Altkleider wurden in der Vergangenheit tonnenweise gesammelt und sortiert. (Symbolfoto)  © IMAGO/Funke Foto Services

Mehr als 2000 Tonnen Alttextilien jährlich sammelten in der Vergangenheit gemeinnützige Organisationen und gewerbliche Textilverwerter in Chemnitz ein. Doch die Branche steht wirtschaftlich unter Druck.

Traditionelle Absatzmärkte, beispielsweise in Osteuropa, sind im Zuge einer größer werdenden Flut an Billigtextilien zusammengebrochen.

In Sachsen-Anhalt musste der Branchenriese Soex 2024 Insolvenz anmelden. Dank eines Teilverkaufs der Firma werden seit vorigem Sommer in Bitterfeld-Wolfen wieder Altkleider sortiert.

Fast zeitgleich ging in Apolda/Thüringen ein weiterer großer Verwerter pleite.

Aus dem einst lukrativen Geschäft, Altkleider zu sammeln, ist ein teures Problem geworden: Nach Erhebungen des ASR kostete die Entsorgung voriges Jahr rund 238 Euro pro Tonne.

Titelfoto: Ralph Kunz

Mehr zum Thema Chemnitz Lokal: