Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig nicht komplett zweigleisig? Zug-Experte: "Brauchen keine Maximalforderungen"

Chemnitz - Die Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig soll vermutlich doch nicht komplett zweigleisig ausgebaut werden - dafür hagelte es von der Bahninitiative Chemnitz jüngst Kritik. Nun meldet sich auch Bahn-Experte Detlef Müller (58, SPD) zu Wort. Er hat diese Diskussionen satt, ruft zur Besinnung auf.

Die Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig wird wohl an zwei Stellen eingleisig bleiben.
Die Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig wird wohl an zwei Stellen eingleisig bleiben.  © Uwe Meinhold

Frühestens 2026 sollen die Bauarbeiten an der Zugstrecke Chemnitz-Leipzig beginnen. Geplant ist ein zweigleisiger Ausbau, zudem soll die Stecke elektrifiziert werden.

Doch ein komplett zweigleisiger Ausbau dürfte die Kosten sprengen. Daher soll die Strecke an zwei Brücken, dem Burgstädter Viadukt (Länge: 1 Kilometer) und dem Chemnitztalviadukt (Länge 1,6 Kilometer), eingleisig bleiben.

Um auch den Abschnitt an den Brücken zweigleisig auszubauen, müssten 100 Millionen Euro eingeplant werden, heißt es. Das würde in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis zu dem erzielbaren Nutzen stehen.

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Sebastian Drechsler (32) von der Bahninitiative Chemnitz will das nicht hinnehmen. Er fordert einen komplett zweigleisigen Ausbau, damit in Zukunft ein stabiler Betrieb möglich ist.

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Chemnitzer FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (40) wollen den kompletten Ausbau. Verständlich, denn eingleisige Strecken können bei Störungen fatale Auswirkungen auf die gesamte Strecke haben.

Will, dass die komplette Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig zweigleisig ausgebaut wird: Sebastian Drechsler (32) von der Bahninitiative Chemnitz.
Will, dass die komplette Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig zweigleisig ausgebaut wird: Sebastian Drechsler (32) von der Bahninitiative Chemnitz.  © Maik Börner

Bahn-Experte Detlef Müller hat Diskussionen satt: Das Projekt könnte damit platzen

Bahn-Experte Detlef Müller (58, SPD) befürchtet, dass das Projekt durch die aktuelle Diskussion gefährdet werden könnte.
Bahn-Experte Detlef Müller (58, SPD) befürchtet, dass das Projekt durch die aktuelle Diskussion gefährdet werden könnte.  © Kristin Schmidt

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller hat die Diskussionen satt. "Einseitige Forderungen, wie die nach einem durchgehend zweigleisigen Ausbau der Strecke, wie sie zuletzt von der Bahninitiative Chemnitz und der IHK Chemnitz vorgebracht wurden, sind leider alles andere als hilfreich und zielführend", so der gelernte Lokführer.

Berechnungen hätten gezeigt, dass sich die Strecke auch mit zwei "Nadelöhren" gut betreiben lässt. Zudem befürchtet Müller, dass das Projekt durch zu hohe Kosten platzen könnte.

Er sagt: "Ein durchgehend zweigleisiger Ausbau wäre mit einer enormen Kostenerhöhung im hohen zweistelligen Millionenbereich verbunden. Diese Kostensteigerungen und die absehbaren notwendigen zusätzlichen Planungen könnten das Projekt im Rahmen der Nutzen-Kosten-Untersuchung erneut infrage stellen."

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Wichtig sei es vor allem, dass es so schnell wie möglich mit dem Ausbau vorangeht. Langwierige Diskussionen würden den Start nur herauszögern. "Daher kann ich an dieser Stelle alle Beteiligten nur dazu aufrufen, sich auf die Kernzielsetzung des Ausbaus der Schienenstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig, eine schnelle und verlässliche Fernbahnanbindung der Stadt Chemnitz zu erreichen, zu besinnen", mahnt Müller.

Und weiter: "Um diese zu erreichen braucht es keine Maximalforderungen."

Titelfoto: Kristin Schmidt, Uwe Meinhold

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