Bestechung beim Chemnitzer Kaufhof-Deal? Wirbel um AfD-Spende von Möbel-Milliardär

Chemnitz - Ein Jahr nach dem umstrittenen Kaufhof-Deal ist das Thema in Chemnitz zurück auf der großen Bühne. Alles andere als geräuschlos hatte der Stadtrat 2025 den Umzug des Verwaltungszentrums Moritzhof ins "Glashaus" am Markt beschlossen - mit Stimmen der schon damals zerstrittenen AfD-Fraktion. Danach erhob Kreis-Chef Nico Köhler (49) Korruptionsvorwürfe.

Wofür zahlte Andreas Uhlig (65) von der Krieger-Gruppe 18.000 Euro an die AfD?
Wofür zahlte Andreas Uhlig (65) von der Krieger-Gruppe 18.000 Euro an die AfD?  © Maik Börner

Im offiziellen Rechenschaftsbericht der Bundespartei taucht nun eine Spende von 18.000 Euro an die AfD aus dem Umfeld von Baulöwe Kurt Krieger (77) auf.

Dem Milliardär gehören neben dem Galeria-Gebäude in Chemnitz auch Elbe-Park und Kaufpark in Dresden sowie Möbel Mahler in Siebenlehn.

Als Spender wird Andreas Uhlig (65) geführt, der als Kriegers rechte Hand in Chemnitz gilt. Er zahlte offenbar 9000 Euro an den Kreisverband Chemnitz.

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Dieser Betrag ist auffällig: Spenden unter 10.000 Euro bleiben in der Regel unerkannt, weil sie unterhalb dieser Grenze nicht veröffentlicht werden müssen.

Weil jedoch weitere 9000 Euro an die AfD flossen und beide Spenden nachträglich zusammengezählt wurden, mussten sie als Großspende doch noch veröffentlicht werden.

Einen Tag nach dem Ratsbeschluss trat Baumogul Kurt Krieger (77) vor die Chemnitzer Presse.
Einen Tag nach dem Ratsbeschluss trat Baumogul Kurt Krieger (77) vor die Chemnitzer Presse.  © Petra Hornig
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Wegen Bestechlichkeit: Staatsanwaltschaft ermittelt

Hält sich im erneuten Wirbel um den Kaufhof-Deal vorerst zurück: Nico Köhler (49, AfD).
Hält sich im erneuten Wirbel um den Kaufhof-Deal vorerst zurück: Nico Köhler (49, AfD).  © Kristin Schmidt

Auf TAG24-Anfrage reagierte Uhlig knapp und unwirsch: "Kein Kommentar!" Auch die Berliner Zentrale der Krieger-Gruppe schweigt zu der Frage, ob Erwartungen oder politische Gegenleistungen im Raum standen.

Die AfD hatte bereits im vergangenen Jahr beteuert: "Für alle Spender können wir ausschließen, dass es erwartete und erfüllte Gegenleistungen gab."

Brisant bleibt die Chronologie: Krieger kaufte 2023 das ehemalige Kaufhof-Gebäude, im Januar 2025 beschloss der Stadtrat den Einzug der Verwaltung. Kurz darauf warf Köhler Teilen der eigenen Fraktion vor, sich für "stark vergünstigte Mieten für Tiefgaragenplätze" in Kriegers Immobilie interessiert zu haben und sprach von "Korruption".

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Fest steht: Die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelt seit 2025. Oberstaatsanwalt Rolf Bach bestätigte: "Die Ermittlungen dauern an und betreffen den Vorwurf der Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung von Mandatsträgern." Das Verfahren geht in mehrere Richtungen.

AfD-Stadtrat Köhler äußert sich unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Die Grünen dagegen schon. Stadträtin Christin Furtenbacher (41): "Wenn finanzielle Zuwendungen und politische Entscheidungen zeitlich und inhaltlich so eng beieinanderliegen, entsteht mindestens der Eindruck, dass wirtschaftlicher Einfluss politischen Rückhalt gekauft haben könnte."

Und weiter: "Dieser Eindruck ist verheerend für das Vertrauen in unseren Stadtrat."

Christin Furtenbacher (41, Grüne) fordert vollständige Transparenz über alle Kontakte und Absprachen beim Kaufhof-Deal.
Christin Furtenbacher (41, Grüne) fordert vollständige Transparenz über alle Kontakte und Absprachen beim Kaufhof-Deal.  © Uwe Meinhold

So lief das mit dem Kaufhof-Entscheid

Das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude und der Umzug mehrerer Ämter sorgen weiter für Schlagzeilen.
Das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude und der Umzug mehrerer Ämter sorgen weiter für Schlagzeilen.  © Uwe Meinhold

Als 2025 das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in Chemnitz zum Politikum wurde, ging es um nicht weniger als ein Prestigeprojekt für die Innenstadt. Die Stadt plante, für die Ämter aus dem Moritzhof die zweite bis vierte Etage anzumieten.

Doch der Deal lief keineswegs geräuschlos. Die Stadt verhandelte mit Eigentümer Krieger-Gruppe über Mietkonditionen, Umbaukosten und langfristige Verträge. Im Raum standen Millionenbeträge und eine Bindung der Kommune über 15 Jahre an den Standort. Offiziell nannte das Rathaus die Zahl von 400.000 Euro Kosten pro Jahr.

Kritiker monierten früh, die Kosten seien hoch, Alternativen nicht ausreichend geprüft. Dann wurde es politisch brisant. Innerhalb der AfD-Fraktion im Stadtrat entbrannte Streit. Der Ämter-Umzug selbst blieb mit dem nichtöffentlichen Stadtratsbeschluss vom 29. Januar 2025 auf Kurs.

Die Umbauten laufen, erste Stadtmitarbeiter sollen bereits 2027 im alten Kaufhof-Gebäude arbeiten.

Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold, Maik Börner

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