Chemnitz verdient am Lkw-Verkehr: Wo landet das Geld?
Chemnitz - Chemnitz kassiert mit - jedes Mal, wenn ein Brummi über die mautpflichtigen Straßen der Stadt rollt. Und das ist mehr als Kleingeld. In den vergangenen beiden Jahren hat Chemnitz nach offiziellen Rathaus-Zahlen aus der Lkw-Maut zusammen mehr als 1,7 Millionen Euro eingenommen: 2024 gut 800.000 Euro, 2025 sogar deutlich über 900.000 Euro.
Geld, das viele Chemnitzer kaum auf dem Schirm haben, obwohl sie den Lärm und die Belastung täglich mitkriegen. Genau deshalb hat Stadtrat Jens Kieselstein (45, FDP) das Thema im Rathaus "hochgezogen".
"Das ist weitgehend unbekannt, dass uns als Stadt für die Benutzung des Südrings beispielsweise Lkw-Maut zusteht", sagt er.
Für Kieselstein hat das einen doppelten Effekt: "Der Fernverkehr nervt, aber er bringt auch Einnahmen." Wenn Geld reinkommt, müsse es auch wieder in die Straßen investiert werden.
"Ich denke, da sind wir uns alle einig, dass das Straßennetz jetzt nicht unbedingt in so einem Top-Zustand ist", sagt er und nennt es spöttisch "dieses moderne Mosaik".
Wofür bekommt Chemnitz überhaupt Maut-Anteile?
Was sagt die Stadt? Bürgermeister Thomas Kütter (49, parteilos) erklärt: Die Maut-Million liege nicht als frischer Asphalt auf der Straße, sondern zunächst für künftige Großprojekte auf Halde. Die Leipziger Straße (im Rahmen des Chemnitzer Modells Stufe 4) und die Annaberger Straße sollen damit teilfinanziert werden.
Kieselstein ist das zu schwammig. Er will insgesamt eine klare Zweckbindung, damit das Geld nicht irgendwo im Haushalt verpufft, während Schlaglöcher wachsen. Und er guckt schon nach vorn: Was ist, wenn der Südring irgendwann zu Ende gebaut ist? Kütter bremst: Dazu könne man "keine belastbare Aussage" treffen, weil Zeitpunkt und Mautsätze unklar seien.
Wofür bekommt Chemnitz überhaupt Maut-Anteile? Geld bekommt Chemnitz nur für mautpflichtige Straßen, die in städtischer Baulast liegen: B169 (Frankenberger Straße), B173 (Neefestraße) und B174 (Zschopauer Straße). Bei Autobahnen landen die Einnahmen dagegen beim Bund.
Titelfoto: Uwe Meinhold
