Chemnitz - Ein Drink, ein Abend - und plötzlich fehlen Erinnerungen. Erste Ergebnisse einer Studie der TU Chemnitz zeigen: K.-o.-Tropfen sind offenbar längst weiter verbreitet als viele denken.
Für das Forschungsprojekt "Don't knock me out" wurden bislang mehr als 2000 Menschen ab 14 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz anonym befragt. Geleitet wird das Projekt von Charlotte Förster, der TU-Juniorprofessorin für Europäisches Management.
Für die Zwischenbilanz wurden 1288 Datensätze aus Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis: 527 Befragte gaben an, bereits selbst Opfer vom sogenannten "Drink Spiking" geworden zu sein - also dem unfreiwilligen Verabreichen von Substanzen, die als K.-o.-Tropfen missbraucht werden.
808 Personen kennen jemanden, der Opfer wurde. 302 berichteten, schon einmal den Verdacht gehabt zu haben, dass jemand aus ihrer Begleitung davon betroffen war.
Besonders alarmierend: Nur wenige wenden sich an Polizei oder Ärzte. Lediglich 42 hatten Proben abgeben können, nur 18 Fälle wurden rechtsmedizinisch bestätigt. 48 Betroffene meldeten den Vorfall bei der Polizei.
TU-Juniorprofessorin: "Die Zahlen zeigen, dass das Problem größer ist"
"Die Zahlen zeigen, dass das Problem größer ist, als wir es als Nischenphänomen ansehen können", sagt Förster. Ziel der Studie sei es nicht nur, das Ausmaß besser zu erfassen, sondern auch Grundlagen für effektive Aufklärungs- und Präventionsstrategien zu schaffen.
Die Polizei rät, Getränke immer selbst zu bestellen, bei der Zubereitung zuzuschauen, keine Drinks von Fremden anzunehmen und offene Getränke nie unbeobachtet zu lassen.
Wer Symptome wie plötzliche Schläfrigkeit, Koordinationsprobleme oder Erinnerungslücken bemerkt, sollte schnell handeln und einen Arzt aufsuchen. Nur so können Proben gesichert werden, denn die Substanzen sind oft nur wenige Stunden nachweisbar.
Die Studie läuft weiter, eine umfassende Auswertung wird spätestens im Sommer erwartet. Der Fragebogen und weitere Infos sind unter do-not-knock-me-out.com zu finden.