Chemnitzer Polizist berichtet: So schwer ist der Dienst-Alltag in Corona-Zeiten
Chemnitz - Wenn es um Corona geht, hat Christoph Schiffner (32) einen langen Atem. Immer wieder ist der Bereitschaftspolizist bei Versammlungen und Demonstrationen im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz im Einsatz. Und auch nach vielen Dutzend dieser Einsätze hat sich eine Sache nicht geändert: Das erste Mittel der Polizei ist das klärende Gespräch.
"Leider werden unsere Ansprachen immer seltener angenommen", berichtet der Polizeihauptmeister, der bereits seit zehn Jahren im Dienst ist.
Je länger die Pandemie und ihre Maßnahmen andauerten, umso mehr falle die Akzeptanz. Und umso schwieriger sei es, Kontakt zu den Bürgern zu knüpfen.
"Man muss mit allem rechnen", erklärt Schiffner. Dabei sei es trotz der Fülle an Einsätzen wichtig, zu jedem unvoreingenommen zu fahren, keine Betriebsblindheit aufkommen zu lassen. "In der Lage leben", wie man es im Polizei-Jargon nenne.
Dennoch: "Polizisten werden immer wieder zu Projektionsflächen des Unmutes. Oft wird dabei vergessen, dass es sich auch bei ihnen um Menschen handelt, die wohlbehalten zu Freunden und Familie zurückkehren wollen", sagt Almut Sichler (39), Sprecherin der sächsischen Bereitschaftspolizei.
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Christoph Schiffner verrät: Das baut Polizisten in den düsteren Corona-Zeiten auf
Doch hier und da gibt es sie noch, die Momente, aus denen die Polizisten Kraft für ihren langen Atem schöpfen. Das kann ein nettes Wort sein, ein ermutigender Satz.
Schon Aussagen wie "Schön, dass ihr da seid!" oder "Ihr macht einen guten Job", seien es, die die Beamten in diesen düsteren Zeiten aufbauen, erklärt Christoph Schiffner.
In der Kategorie "Versammlungslagen" - dazu zählt alles vom Infostand bis zur Großdemonstration - zählte die Polizeidirektion Chemnitz 2021 mehr als 650 Einsätze. Dabei kamen laut Polizei-Sprecherin Jana Ulbricht (44) mehr als 82.000 Einsatzstunden durch Mitarbeiter der Polizeidirektion sowie durch Fremdkräfte zusammen.
Wie viele Kollegen in Ausübung ihres Dienstes zu Schaden gekommen sind und wie viele Anzeigen gegen Demonstranten gefertigt wurden, war nach TAG24-Anfrage zunächst nicht zu klären.
Titelfoto: Haertelpress, Polizei Sachsen

