Chemnitzer Telefonseelsorge sucht dringend ehrenamtliche Helfer

Chemnitz - Wer in einer schwierigen Lebenssituation psychische Hilfe, Beratung oder einfach ein offenes Ohr sucht, kann sich an die kostenfreie und anonyme Telefonseelsorge der Stadtmission Chemnitz wenden. Damit das Angebot rund um die Uhr erreichbar bleibt, werden dringend weitere Ehrenamtliche gesucht.

Susanne Lipp (61) bildet Ehrenamtliche für die Telefonseelsorge in Chemnitz aus.  © Sven Gleisberg

"Wir haben derzeit 46 ehrenamtliche Mitarbeitende, und das ist sehr, sehr knapp. Wir versuchen wirklich, die Nachtdienste aufrechtzuerhalten, und das wird immer schwieriger", sagt Susanne Lipp (61), die seit knapp zwei Jahren die Ausbildung organisiert.

Rund zehn weitere Ehrenamtliche würden benötigt. Einen konkreten Anlass für den Rückgang sieht sie nicht: "Einen spezifischen Grund gibt es nicht. Das Ehrenamt geht allgemein zurück."

Interessierte absolvieren zunächst eine 128-stündige Ausbildung. "In der Ausbildung geht es um psychologische Themen, Gesprächsführung und Abgrenzung", sagt Lipp. Danach begleiten die Ehrenamtlichen Hilfesuchende telefonisch oder per Chat. Rund 5600 Anrufe gehen jährlich ein.

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Die Gespräche drehen sich häufig um Depressionen oder Schulden bei jüngeren Menschen sowie Einsamkeit und Krankheit im Alter.

"Zum Beispiel gab es eine ältere Frau, deren Mann dement geworden war. Sie fragte, was sie jetzt tun soll. Sie kann keine liebevolle Beziehung mehr führen. Das ist schwer", erzählt Lipp. "Wir lernen dann sehr stark, uns abzugrenzen, indem wir wissen, dass wir nur zuhören und die Sache an sich nicht regeln können."

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Ältere Menschen wenden sich häufig wegen Einsamkeit oder Krankheit an die Telefonseelsorge.  © imago/Christian Grube
Auch junge Menschen wenden sich an die Telefonseelsorge. Häufig geht es um Depressionen oder finanzielle Sorgen.  © KNA GmbH

Voraussetzung für das Ehrenamt: eine stabile psychische Verfassung

Die Telefonseelsorge ist telefonisch oder über den Chat rund um die Uhr erreichbar.  © Peter Zschage

Akute Suizidankündigungen seien selten. "Es ist ein wichtiger Unterschied zwischen Suizid begehen und sich suizidal fühlen. Die Gespräche helfen auf jeden Fall sehr."

Bei Geständnissen schwerer Straftaten wie Mord oder Brandstiftung müsse die Polizei informiert werden.

Voraussetzung für das Ehrenamt ist laut Lipp eine stabile psychische Verfassung. "Wenn jemand mal Depressionen hatte, weiß er unter Umständen sogar besser, wovon der Anrufende spricht, aber er muss es überwunden haben."

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Weitere Informationen findet Ihr auf: stadtmission-chemnitz.de.

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