Chemnitzer Unternehmer als Uber-Fahrer unterwegs: "Geht am Ende nur mit Beschiss"

Chemnitz - Seit dem Start des Fahrdienstes Uber in Chemnitz wird heftig diskutiert. Teile der Politik warnten vor einem Preiskampf mit den städtischen Taxiunternehmen, forderten Mindestpreise. Der Stadtrat lehnte diese ab - auch Oberbürgermeister Sven Schulze (54, SPD) setzte auf freien Wettbewerb. Doch was bedeutet das in der Praxis? Ein Chemnitzer Unternehmer hat den Test gemacht. Und er zieht ein kritisches Fazit: "Das geht am Ende nur mit Beschiss!"

Martin König (35) testete, wie viel ein Uber-Fahrer verdienen kann.
Martin König (35) testete, wie viel ein Uber-Fahrer verdienen kann.  © Uwe Meinhold

Martin König (35), Gründer des Modelabels "Karlskopf" und Inhaber eines Fahrdienstes, meldete sich als Uber-Fahrer an: App herunterladen, Unterlagen hochladen, "keine zwölf Stunden später erhielt ich die Erlaubnis, Fahrten über Uber anzunehmen".

Die App funktioniere einfach: Neue Fahrten erscheinen direkt auf dem Display - inklusive Abholort und Preis. Und auch die Fahrgäste sind laut König überzeugt. Schnell gebucht, kein Bargeld nötig, der Preis steht vorher fest und ist vor allem eines: deutlich günstiger als beim Taxi.

Doch genau das ist der Knackpunkt. "Meiner Meinung nach arbeitet Uber hier klar mit absoluten und nicht fairen Kampfpreisen, die selbst den letzten Skeptiker überzeugen sollen."

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Er rechnet vor: Am vergangenen Freitagabend sei der Unternehmer 13 Touren in rund viereinhalb Stunden gefahren. Einnahmen: etwas mehr als 110 Euro inklusive Trinkgeld.

Klingt erst mal ordentlich. Doch was auf dem Papier gut aussieht, relativiert sich schnell. Sprit, Verschleiß, Umweltbelastung - all das ist noch nicht abgezogen. Für ihn "auf Dauer ein defizitäres Geschäft".

Auch in Chemnitz bietet Uber seit Kurzem seinen Fahrten-Vermittlungsdienst an.
Auch in Chemnitz bietet Uber seit Kurzem seinen Fahrten-Vermittlungsdienst an.  © Sven Gleisberg
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Unternehmer zieht Fazit: Uber-Geschäftsmodell in Chemnitz problematisch

Martin (l.) und sein Vater Jens König (65) bieten einen Fahrservice in Chemnitz an. Mit diesem Auto probierte sich der 35-Jährige auch als Uber-Fahrer.
Martin (l.) und sein Vater Jens König (65) bieten einen Fahrservice in Chemnitz an. Mit diesem Auto probierte sich der 35-Jährige auch als Uber-Fahrer.  © Uwe Meinhold

Besonders deutlich wird das beim Preisvergleich. Eine kurze Fahrt über gut zwei Kilometer bringt gerade einmal 6,23 Euro ein. "Davon erhält Uber nun 2,07 Euro Provision, das sind 33 Prozent des Fahrpreises! Ich schätze, mit dem Taxi kostet die gleiche Fahrt rund 50 Prozent mehr."

Eine längere Strecke quer durch die Region brachte König am Freitag gut 20 Euro über Uber. Mit dem Taxi, schätzt er, hätte die Fahrt 35 Euro gekostet.

"Wie zahlen die Uber-Unternehmer die Mindestlöhne für ihre Fahrer, wenn es doch schon dem Taxigewerbe schwerfällt, diese Mindestlohnregel einzuhalten?", hinterfragt er den Preisunterschied kritisch. Das gehe laut König am Ende nur mit Beschiss.

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Sein Fazit: Das aktuelle Uber-Geschäftsmodell sei in Chemnitz problematisch. "Hier profitieren fast nur Uber und die Fahrgäste, nicht die Stadt und nicht die Unternehmer, die für Uber fahren. Uber versucht krampfhaft, das Taxigewerbe aus dem Markt zu drängen, um am Ende dann die Preise zu diktieren", warnt König.

Uber bringe zwar frischen Wind nach Chemnitz und zwänge das Taxigewerbe, sein Geschäftsmodell zu überdenken. Die Preise seien für Fahrer jedoch unfair. "Von 1,80 Euro Basispreis und 80 Cent je Kilometer kann keiner leben."

Titelfoto: Bildmontage: Sven Gleisberg, Uwe Meinhold

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