Chemnitz - Mit dem Image als Glücksbringer, festem Kundenstamm und abwechslungsreicher Tätigkeit sollte der Beruf Schornsteinfeger ein Selbstläufer sein. Doch die "Schwarze Branche" hat Nachwuchssorgen: Die Meister werden knapp.
"In westlichen Bundesländern hat die Hälfte aller Schornsteinfeger den Meister, im Osten nur etwa 15 Prozent", sagt Heiko Hirsch (58), Obermeister der Innung.
Die Folge: Für rund zehn Prozent der Kehrbezirke fehlt ein Bezirksschornsteinfeger, der hoheitliche Aufgaben wie Feuerstättenschau und Bauabnahmen wahrnimmt. In der Region Chemnitz sind von insgesamt 132 Kehrbezirken 120 besetzt.
"Für die übrigen Bezirke hat die Landesdirektion Sachsen eine kommissarische Verwaltung durch benachbarte Bezirksschornsteinfeger angeordnet oder Bezirke dauerhaft aufgeteilt", so eine Behörden-Sprecherin. "Die Nachbesetzung frei werdender Bezirke gestaltet sich zunehmend schwieriger."
Auch der Obermeister weiß: "Es fehlt die Bereitschaft, in die Selbstständigkeit zu gehen." Dabei gäbe es Anreize: "Wer als Meister einen Bezirk übernimmt, muss nicht mühsam einen Kundenstamm aufbauen wie in anderen Handwerksberufen."
Durch Energiewende weniger Arbeit für Schornsteinfeger in Sachsen?
Die Sorge, dass Schornsteinfeger wegen der Energiewende bald ohne Arbeit dastehen, ist laut Heiko Hirsch unbegründet.
"Jeder Schornsteinfeger hat zwischen 2000 und 3000 Kunden. In ländlichen Gegenden macht das klassische Kehren rund 50 Prozent der Arbeit aus, in einer Stadt wie Chemnitz etwa 10 Prozent. Durch Heizungsumstellung fallen davon jährlich rund 5 Prozent weg. Andere Aufgaben wie Energieberatung oder effiziente Einstellung von Wärmepumpen kommen hinzu."
Den Bonus als gern gesehener Glücksbringer gibt's obendrauf. "Die Frage 'Darf ich mir ein wenig Glück abholen?' und ein Streichen über den Ärmel gehören zum Beruf", sagt Sachsens Obermeister schmunzelnd.