Chemnitz/Moritzburg - Die Moritzburger "Corona-Ärztin" Bianca W. (69) ist wieder frei. Am Freitag wurde die 69-Jährige aus der Frauen-JVA in Chemnitz entlassen.
Wie die "Ostdeutsche Allgemeine" berichtet, habe die Medizinerin ihre Haftstrafe zu zwei Dritteln abgesessen. W. wollte demnach keinen großen Wirbel um ihre Freilassung - auch auf Rücksicht auf andere Gefangene.
Weil die 69-Jährige laut Staatsanwaltschaft in über 1000 Fällen gefälschte Atteste ausstellte - und damit einen Haufen Geld verdiente - wurde sie vom Dresdner Landgericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.
Zuvor saß die Moritzburgerin ganze 476 Tage in Untersuchungshaft. Nach dem Urteil im Juni 2024 kam sie vorerst auf freien Fuß. Im Februar 2026 musste sie erneut in die Frauen-JVA in Chemnitz, um ihre Reststrafe abzusitzen.
Nun ist die 69-Jährige wieder auf freiem Fuß. Ihre Existenz ist jedoch zerstört. Das Haus der Medizinerin wurde versteigert. Zudem berichtet die "Ostdeutsche Allgemeine" von finanziellen Problemen - unter anderem wegen hohen Gerichts- und Anwaltskosten.
Außerdem könnte weiterer juristischer Ärger drohen - es läuft ein zweites Verfahren gegen die Ärztin, über dessen Zulassung noch entschieden wird.
Heftige Kritik von BSW und AfD an Knast-Urteil
Massive Kritik an dem Knast-Urteil gegen die sächsische Ärztin kam von BSW und AfD.
Sachsens AfD-Chef Jörg Urban (61) schoss gegen die Justiz. Die Medizinerin habe niemandem geschadet, im Gegenteil. Die Atteste gegen Corona-Masken und Impfungen seien wichtig gewesen.
"In einer Demokratie (...) muss es eine umfassende Meinungsfreiheit geben. Das gilt selbstverständlich auch für Ärzte und auch für den Fall, dass der Staat selbst zur Gefahr wird und Bürger sich gegen verfassungswidrige Zwänge wehren wollen", so Urban.
Ebenso protestierte das BSW gegen die Haftstrafe. Bianca W. habe die Patienten vor Ausstellen des Testes untersucht, heißt es. "In vergleichbaren Fällen führten identische Sachverhalte zu Freisprüchen", teilte das BSW mit.
Auch bei dem Prozess gegen die Ärztin im Jahr 2024 kam es zu lautstarken Protesten. Die Besucher sangen die Nationalhymne, skandierten "Freiheit! Freiheit!". Der Saal musste anschließend geräumt werden.