Chemnitz - Chemnitz will wachsen, aber in Rabenstein knallt's gewaltig. An der A72-Abfahrt Rottluff soll ein 13 Hektar großer "Innovationscampus" entstehen, also eine neue Gewerbefläche so groß wie 18 Fußballfelder.
1300 Anwohner gehen inzwischen mit einer Petition dagegen auf die Barrikaden. Der Stadtrat ist ebenfalls uneins: Die einen wollen Tempo, die anderen erst Antworten.
"Wir müssen dringend deutlich mehr Gewerbesteuer einnehmen", sagt Hendrik Rottluff (54, CDU). Er fordert möglichst "innovative Ansiedlungen" und zugleich "größtmögliche Rücksicht auf die Anwohner".
Im Paket stünden Abstandsflächen, ein Damm als Lärmschutz und eine Maximalhöhe. Außerdem solle eher "stilles Gewerbe" kommen - also keine laute Industrie.
Auch BSW-Stadtrat Torsten Schmidt (60) fordert gleichzeitig Transparenz und Kostenklarheit: "Wir haben gar keine Alternative."
Fragenkatalog für OB Schulze
Auch die Kostenentwicklung für Rabenstein-Ost sollte geprüft werden. "Wir beziehen einmal deutlich wirtschaftliche Position, aber stets verantwortungsbewusst gegenüber den Anwohnern."
Genau deshalb hat seine Fraktion OB Sven Schulze (54, SPD) einen Fragenkatalog hingelegt - von bisherigen Planungskosten bis zur Frage, wie das Ganze in Zeiten klammer Kassen und Haushaltssperre überhaupt zu stemmen sei.
Auch die SPD hält die Pläne für richtig. Die kommunalen Gewerbegebiete seien zu 86 Prozent belegt, freie Flächen rar und oft schwer nutzbar. "Wenn wir wirtschaftliche Entwicklung wollen, müssen wir auch die notwendigen Voraussetzungen schaffen", so Renata Marwege (58).
Bob Polzer (65, AfD) versucht den Spagat: "Wir begrüßen die Ansiedlung hochwertiger Technologie-Unternehmen in Chemnitz." Man müsse aber auch die Vorbehalte aus der Welt schaffen.
Und die Grünen? Joseph Israel (26) knüpft die Zustimmung an Bedingungen: "Der Bedarf muss klar belegt werden. Arbeitsplätze sind wichtig - ebenso der Umweltschutz."