Kein Witz! Kabarettkeller in Chemnitz feiert sein Jubiläum nach
Chemnitz - Das halbe Jahrhundert durfte das Chemnitzer Kabarett 2020 nicht feiern - das wäre mit Filtertüten vorm Mund auch echt unpraktisch gewesen. Nun kommt das Jubiläumsprogramm "55 Jahre drunter und drüber" zur Schnapszahl.
Ab Mittwoch steht das gesamte Ensemble auf der Bühne, um mit Lieblingsszenen und Liedern von Chemnitz und Gor-Morg-Stodt die Zeit von den Lachkartenstanzern in der Puppenbühne am Busbahnhof bis zur heutigen Spielstätte im Keller der Markthalle Revue passieren zu lassen.
Andreas Zweigler (78) - schon bei der Gründung 1970 als musikalischer Berater dabei - erinnert sich, wie die Zensur der SED-Bezirksleitung ausgebremst wurde: "Wir mussten jedes neue Programm vorspielen und haben mit Absicht Sachen eingebaut, die absehbar gestrichen würden - und retteten damit andere Passagen", erinnert sich Zweigler. "Damals reagierte das Publikum auf jede feine Andeutung. Heute braucht es eine derbere Wortwahl."
Die Stasi war Stammgast. "Die Mitarbeiter hatten auch bei schönem Wetter einen Regenschirm dabei. Überwachungstechnik brauchte damals mehr Platz."
Als 1988 auf der Bühne ein SED-Parteibuch in einem als "Meldestelle für Bedenken" deklarierten Mülleimer landete, wurde das Programm vorübergehend verboten.
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Das war der Dauerbrenner beim Chemnitzer Kabarett
Als absoluter Dauerbrenner ging "Der Nächste bitte!" in die Annalen ein. Fast zehn Jahre lang, in über 400 Vorstellungen, loteten Gerd Ulbricht (65), Ellen Schaller (60) und das 2021 verstorbene Urgestein Eckard Lange (80) die Untiefen des Gesundheitswesens aus.
Legendär auch die "Geburt des Nadel-unter-die-Schlinge-Zwerges", die seit 30 Jahren in keinem Weihnachtsprogramm fehlen darf.
Wer mitlachen will: Für vier Aufführungen des Jubiläumsprogramms gibt es noch Restkarten für 26 Euro, ermäßigt 22 Euro.
Titelfoto: Sven Gleisberg
