Nach einer Begegnung im Globus: Nachwuchs-Schuster rettet Traditionsbetrieb in Chemnitz
Chemnitz - Der Schuhservice Egermann in der Chemnitzer Fritz-Matschke-Straße hat einen neuen Inhaber: Seit Dezember führt Tobias Wittmann (24) den Traditionsbetrieb weiter. Damit bleiben Schuhreparaturen und Lederarbeiten in Schloßchemnitz erhalten.
Gegründet wurde der Schuhservice 1956 von Werner Egermann in der Matthesstraße, Ende der 1970er-Jahre zog das Geschäft in die Fritz-Matschke-Straße. Sohn Frank Egermann übernahm den Familienbetrieb 1991 und suchte mit seinem Ruhestand einen Nachfolger.
Dass Wittmann den Betrieb übernimmt, war Zufall. Der gelernte Finanzberater arbeitete zuvor beim Schuh- und Schlüsseldienst "Mister Minit" im Globus Zwickau.
Dort traf er Frank Egermann, der zeitgleich eine Veranstaltung von Paul Panzer in der Stadthalle besuchte. "Er wollte sich im Globus etwas zu essen holen und hat uns dann angequatscht", erzählt Wittmann. Wenige Monate später übernahm er den Betrieb.
Heute repariert der 24-Jährige Absätze und übernimmt Klebe- und Näharbeiten an Schuhen und Taschen. Dass er einmal Schuhmacher werden würde, hätte er nie gedacht.
"Ein Kollege kannte meinen ehemaligen Chef im Globus und hat seinen Laden neu eröffnet und jemanden gesucht. Schließlich hat mich ein Mitarbeiter eingearbeitet. Den Beruf kann man ja nicht mehr lernen", sagt er.
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Die Nachfrage sei weiterhin groß
Die Arbeit bereitet ihm Freude: "Es ist etwas, was langsam ausstirbt, und da bin ich froh, dass ich das ein bisschen am Leben erhalten kann."
Die Nachfrage sei weiterhin groß. Gerade in den ersten Monaten nach der Übernahme seien die Regale mit Reparaturaufträgen voll gewesen.
Viele Kunden seien froh, dass es weiterhin jemanden gebe, der den Service fortführt.
Zum Angebot gehören außerdem ein Schlüsseldienst, Leder- und Sattlerarbeiten sowie Messer- und Scherenschliff. Künftig soll auch Vorwerk-Zubehör erhältlich sein.
Titelfoto: Sven Gleisberg

