Raser-Alarm in Chemnitz: Hier wird besonders oft geblitzt

Chemnitz - Der neue Superblitzer am Tietz soll in dieser Woche scharf geschaltet werden. Die kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsmessanlage an der Kreuzung Bahnhofstraße/Annenstraße ist seit November aufgebaut. Doch bislang streikt die Technik. Auch ohne ist Chemnitz längst Blitzer-Hauptstadt.

Der neue Superblitzer am Tietz geht wahrscheinlich noch diese Woche ans Netz.
Der neue Superblitzer am Tietz geht wahrscheinlich noch diese Woche ans Netz.  © Uwe Meinhold

Insgesamt stehen im Stadtgebiet nach Rathaus-Angaben elf stationäre Geschwindigkeits- oder Rotlicht-Blitzer. Dazu kommen drei vollausgestattete Messfahrzeuge des Ordnungsamtes - plus ein Reservefahrzeug. Und vier Blitzer-Anhänger stehen auf den Straßen der Stadt.

Gemessen wird größtenteils per PoliScan. Laut Stadt sendet das System "viele unsichtbare Laserstrahlen" aus, berechnet aus Rücksignalen Entfernung und Positionsänderung - und daraus die Geschwindigkeit über mehrere Spuren gleichzeitig: Bei Überschreitung "wird automatisiert der Messvorgang sowie ein Bild dokumentiert".

Und wer liefert die dicksten Zahlen? Ganz vorn: Mittelbach, Hofer Straße mit über 10.000 Verstößen. Dahinter die B169 Höhe Mittweidaer Straße und die kombinierte Anlage Zschopauer Straße/Georgistraße mit jeweils deutlich über 6000.

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"Die Erträge aus Verwarn- und Bußgeldern fließen ohne Zweckbindung in den gesamtstädtischen Haushalt", heißt es aus dem Rathaus - also theoretisch auch in Straßen, Kitas, Schulen.

Mit mehr als gezählten 10.000 Verstößen ist der Mittelbacher Blitzer der "ertragsreichste".
Mit mehr als gezählten 10.000 Verstößen ist der Mittelbacher Blitzer der "ertragsreichste".  © Kristin Schmidt
Zu den Top 3 der "erfolgreichsten" Blitzer gehört auch die Anlage an der Zschopauer Straße/Kreuzung Georgistraße stadteinwärts.
Zu den Top 3 der "erfolgreichsten" Blitzer gehört auch die Anlage an der Zschopauer Straße/Kreuzung Georgistraße stadteinwärts.  © Ralph Kunz
Top-3-Blitzer in Chemnitz: Die Anlage an der Frankenberger Straße Höhe Brettmühle gehört zu den ertragreichsten Standorten - hier in Fahrtrichtung Chemnitz.
Top-3-Blitzer in Chemnitz: Die Anlage an der Frankenberger Straße Höhe Brettmühle gehört zu den ertragreichsten Standorten - hier in Fahrtrichtung Chemnitz.  © Ralph Kunz

CDU-Stadtrat grundsätzlich für Geschwindigkeitskontrollen

CDU-Stadtrat Michael Specht (40), selbst Polizist, wünscht sich mehr mobile Kontrollen an Schulen.
CDU-Stadtrat Michael Specht (40), selbst Polizist, wünscht sich mehr mobile Kontrollen an Schulen.  © Kristin Schmidt

Den Vorwurf der Abzocke lässt sich das Rathaus nicht gefallen: "Geschwindigkeitskontrollen dienen in erster Linie der Verkehrssicherheit und der Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer", sagt die Stadt. Raserei sei eine der häufigsten Unfallursachen.

Rückendeckung kommt von Stadtrat Michael Specht (40, CDU), der selbst Polizist ist. Abzocke sieht er in Chemnitz "grundsätzlich nicht". "Mir fällt kein Fall ein, wo es absolut keine Gefahrenstelle ist." An Schulen "könnte man noch ein bisschen verstärken", weil Kinder unvorhersehbar handeln. Seine klare Grenze: Wenn man einen Blitzer "nur zum Geldmachen hinstellt, dann wäre ich auch dagegen".

Was tun, wenn's doch geblitzt hat? Fachanwalt für Verkehrsrecht Frank Schubert rät, nicht alles hinzunehmen. "Ein Anwalt kann Akteneinsicht nehmen. Der Staat ist in der Beweislast." Sein Kernsatz: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Rechtsanwalt Frank Schubert am Blitzer auf der Reichsstraße: Er rät, bei Anhörungen zu schweigen und Akteneinsicht beantragen zu lassen.
Rechtsanwalt Frank Schubert am Blitzer auf der Reichsstraße: Er rät, bei Anhörungen zu schweigen und Akteneinsicht beantragen zu lassen.  © Ralph Kunz

Was ist dran an Blitzer-Mythen?

Im Messfahrzeug wird jeder Tempoverstoß dokumentiert - entscheidend sind Akte, Technik und Regeln.
Im Messfahrzeug wird jeder Tempoverstoß dokumentiert - entscheidend sind Akte, Technik und Regeln.  © dpa-Bildfunk

Raserfallen sind Deutschlands liebste Aufreger - auch in Chemnitz. TAG24 räumt mit den hartnäckigsten Blitzer-Mythen auf.

Mythos 1: "Die ziehen immer fünf Kilometer pro Stunde Toleranz ab."

Fakt: Üblich sind drei Kilometer pro Stunde. Bei mehr als 100 Kilometer pro Stunde sind es laut ADAC drei Prozent der gemessenen Geschwindigkeit. Wer also "auf Toleranz fährt", fährt in Wahrheit auf Risiko.

Mythos 2: "Der Beifahrer darf eine Blitzer-App während der Fahrt benutzen."

Fakt: Wer fährt, darf Gerätefunktionen nicht verwenden, die Verkehrsüberwachung anzeigen. Andernfalls drohen nach Angaben des AvD 75 Euro und ein Punkt. Und: Das gilt nach der Rechtsprechung inzwischen auch dann, wenn der Beifahrer die App nutzt und der Fahrer davon profitiert.

Mythos 3: "Wenn man mein Gesicht nicht erkennt, ist das Foto wertlos."

Fakt: Dann kann es erst richtig nervig werden - Stichwort Fahrtenbuchauflage. Kann der Fahrer nicht ermittelt werden, ist die konkrete Strafe zwar vom Tisch. Doch laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) kann die Behörde dem Halter eine Fahrtenbuchauflage reindrücken - als Maßnahme für die Zukunft.

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz, Kristin Schmidt, Ralph Kunz

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