Chemnitz - Wenn Altwerden zum Luxus wird: Immer mehr Rentner sind auf Pflege angewiesen. Doch die kostet - und zwar richtig viel! Neue Zahlen zeigen: Immer mehr Chemnitzer können sich das Pflegeheim nicht leisten. Die Stadt muss die Kosten zum Teil übernehmen - doch auch im städtischen Haushalt ist das Geld knapp.
In Chemnitz haben 2025 insgesamt 834 Menschen Pflegehilfe zur Pflege vom Sozialamt bezogen. Die Zahl könnte allerdings noch höher ausfallen - 340 Anträge wurden noch nicht abschließend bearbeitet. Das geht aus einer Anfrage der Linken-Stadträtin Susanne Schaper (48) hervor.
Demnach brachte die Stadt im Jahr 2025 rund 7,7 Millionen Euro als Zuzahlung zu Pflegeheimplätzen auf. Das sind über 860.000 Euro mehr als im Jahr 2024.
Linken-Politikerin Susanne Schaper schlägt Alarm: "Diese Kostenspirale muss ein Ende haben – für die Pflegebedürftigen, die Angehörigen und die Kommunen", sagt die 48-Jährige und führt aus: "Seit 2018 sind die Kosten für die Stadt um 270 Prozent gestiegen und die Anzahl der Menschen, die Hilfe zur Pflege bekommen, um knapp 500 Prozent."
Für Schaper ist klar, dass gute Pflege ihren Preis hat. "Aber wenn immer mehr Menschen im Alter zum Sozialfall werden, obwohl die Betroffenen ihr ganzes Leben in die Pflegekasse eingezahlt haben, läuft etwas schief", schimpft die Stadträtin.
Einige Pflegekassen wohl kurz vor der Pleite
Allerdings haben die Kommunen mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Der Bund will mit einer Pflegereform gegensteuern. Doch finanzielle Fragen sind weiterhin offen. Das Problem: immer mehr ältere Menschen, immer weniger Beitragszahler, steigende Pflegekosten.
Das Geld reicht aktuell hinten und vorn nicht. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass einzelne Pflegekassen pleitegehen könnten.
Beiträge für Arbeitnehmer bis in schwindelerregende Höhen zu erhöhen, kommt nicht gut an, Leistungen zu kürzen ebenfalls nicht.
Schapers Vorschlag: "Es braucht eine solidarische Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen, die Übernahme der Investitions- und Ausbildungskosten und eine Deckelung der Eigenanteile. Sonst kann sich bald niemand mehr hier in Chemnitz ein Pflegeheim leisten", sagt Schaper.