Von André Jahnke und Linus Tresselt
Chemnitz - Die Zahl der Verfahren vor den sächsischen Sozialgerichten ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Richterbunds (DRB) deutlich gestiegen.
"Vermehrte Streitfälle ums Bürgergeld oder um Ansprüche aus der Sozialversicherung treiben die Fallzahlen deutlich nach oben", sagte der Bundesgeschäftsführer des DRB, Sven Rebehn (54). Besonders stark betroffen seien Eilverfahren, in denen Gerichte kurzfristig über existenzielle Leistungen entscheiden müssen.
Auch am Sozialgericht Chemnitz zeigt sich dieser Trend deutlich. Dort stiegen die Neueingänge in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 16 Prozent.
Auffällig ist die Entwicklung bei Eilverfahren. Ihre Zahl hat sich innerhalb eines Jahres von 152 auf 366 Fälle mehr als verdoppelt. Betroffen sind vor allem Verfahren zum Bürgergeld, zur Sozialhilfe, Teilhabe von Menschen mit Behinderung sowie Krankenversicherung.
Trotz dieser Entwicklung sieht sich das Gericht personell derzeit nicht überlastet. Unbesetzte Richterstellen gebe es nicht. Die Ausstattung sei mit 21 Richtern aktuell "bedarfsdeckend", so das Sozialgericht Chemnitz.
Gründe für Anstieg noch nicht geklärt
Gleichzeitig wächst jedoch die Gesamtzahl der offenen Verfahren weiter. Auch die durchschnittliche Dauer eines Klageverfahrens liegt mit rund eineinhalb Jahren weiterhin auf einem hohen Niveau.
Die Gründe für den Anstieg der Verfahren sind nach Angaben des Gerichts noch nicht eindeutig geklärt. Genannt werden unter anderem demografische und wirtschaftliche Entwicklungen. Zudem könnte der Umstieg vom Bürgergeld auf die neue Grundsicherung zum 1. Juli die Zahlen der Verfahren weiter erhöhen.
Laut Richterin Steffi Ullmann (51) könne das Gericht aber flexibel reagieren und den Anstieg mithilfe von Mischkammern dämpfen. Mit einem Rückgang der Fallzahlen rechnet das Gericht derzeit nicht.