TV-Deal geplatzt, na und? Dieser Chemnitzer sahnt nach "Höhle der Löwen" erst richtig ab

Chemnitz - Pitch gelandet, Löwen überzeugt und am Ende doch ohne Deal heimgefahren! Der Chemnitzer Jung-Unternehmer Max Rose (25), Gründer der interaktiven Hörbuch-Plattform "Audory", strahlt nach seiner Teilnahme bei der Unternehmer-Show "Die Höhle der Löwen" trotzdem bis über beide Ohren!

Max Rose (23) überzeugte am Montagabend bei "Die Höhle der Löwen" alle Investoren mit seiner interaktiven Hörbuch-App "Audory".
Max Rose (23) überzeugte am Montagabend bei "Die Höhle der Löwen" alle Investoren mit seiner interaktiven Hörbuch-App "Audory".  © RTL / Bernd-Michael Maurer

Das Letzte, was die Zuschauer mitbekamen, war der Deal: Die Jury-Mitglieder Unternehmer Carsten Maschmeyer (62) und Manager Georg Kofler (64) boten 200.000 Euro für 20 Prozent des Chemnitzer Start-ups.

Was nicht im Fernsehen gezeigt wurde: Im Anschluss an die VOX-Sendung platzte das Geschäft. "Es gab unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung", erklärt Rose.

Gleichzeitig betont der Informatiker: "Wir sind im Guten auseinandergegangen. Ich habe die private Handynummer von Maschmeyer bekommen und kann ihn jederzeit anrufen."

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Zum Schluss hat Rose doch noch den fetten Coup gelandet: "Die Sächsische Beteiligungsgesellschaft (SBG) investierte 300.000 Euro in 'Audory'!", freut der Geschäftsführer sich.

Das Beste daran: Die SBG ist als stiller Gesellschafter mit an Bord und der 25-Jährige behält alle Anteile an seiner App.

Das Wertvollste an dem TV-Auftritt ist die Werbung

Die beiden Löwen boten sich Max Rose (23) als Kombi-Paket an: Carsten Maschmeyer (62, l.) und Georg Kofler (64). Doch im Anschluss platzte das Geschäft.
Die beiden Löwen boten sich Max Rose (23) als Kombi-Paket an: Carsten Maschmeyer (62, l.) und Georg Kofler (64). Doch im Anschluss platzte das Geschäft.  © RTL / Bernd-Michael Maurer

Das Wertvollste, das Max Rose schließlich aus der "Höhle der Löwen" mitnimmt, ist die Werbung.

Schon während der Ausstrahlung schossen die Zugriffe durch die Decke: "Innerhalb von drei Stunden meldete unser Server eine halbe Million Anfragen."

Bei Sendungsaufzeichnung hatte "Audory" nur wenige Hundert Nutzer, der Umsatz lag bei knapp über 1000 Euro. Mittlerweile hat sich nach Angaben des Unternehmers bereits eine fünfstellige Zahl an Nutzern die App für interaktive Geschichten heruntergeladen.

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Bei diesen wird der Hörer selbst zum Protagonisten, entscheidet über die Handlung - und schließlich über deren Ausgang. "Jetzt kommt richtig Bewegung in die Sache", erklärt Max Rose, der gleichzeitig Programmierer und Geschäftsführer von "Audory" ist.

Mit dem Geldregen werden weitere Autoren ins Boot geholt, die App mit noch mehr Geschichten gefüllt.

Das steckt hinter "Audory"

Bei den Hörbüchern von "Audory" können die Hörer selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergeht.
Bei den Hörbüchern von "Audory" können die Hörer selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergeht.  © Uwe Meinhold

Mit der App "Audory" von Max Rose können Hörbuch-Fans mitten in den Handlungssträngen mitentscheiden, wie die Geschichte weitergeht. Dabei verbindet der 23-Jährige, wie er selbst sagt, zwei große Trends: audiobasierte Apps und Interaktivität.

Auch an die Autoren wurde bei der Programmierung gedacht: Für sie bietet das Chemnitzer Start-up die Möglichkeit, mithilfe eines speziellen Editors selbst zu entscheiden, wann der Hörer über den weiteren Verlauf der Geschichte entscheiden kann.

Die Sorge der Löwen, die Plattform könne auch von möglichen Verschwörungstheoretikern oder Ähnlichen genutzt werden, konnte der 23-Jährige beiseite schieben: In der App ist ein automatisierter Upload-Filter integriert, der unter anderem solche Inhalte direkt blockieren würde.

Insgesamt acht große Produktionen wurden laut Rose bisher entwickelt. Insgesamt gäbe es 330 Nutzer, davon 220 Hörer und 176, die ein Hörbuch gekauft haben.

Roses Strategie, um mehr Hörer zu gewinnen: Influencer ins Boot holen, die für die App eine Geschichte aufnehmen und somit ihre Fans als Neukunden für "Audory" anlocken.

Dem Traum treu bleiben

Kommentar von Gabriel Schwab

Der Jungunternehmer Max Rose hat Integrität bewiesen - und wurde dafür belohnt. Mal eben zu 200.000 Euro Nein zu sagen, um dem eigenen Traum treu zu bleiben, das muss man erstmal übers Herz bringen. Zumal seine App für das interaktive Hörbuch "Audory" zum Zeitpunkt der Sendungsaufzeichnung quasi keinen Wert besaß. Doch am Ende siegte der Glaube an das Produkt.

Ein gutes Buch katapultiert den Leser direkt ins Zentrum der Handlung. Bei den Hörbüchern von "Audory" wird dieses Qualitätsmerkmal zum Geschäftsmodell. Das funktionierte schon in anderen Formaten. Gedruckte Spielbücher waren in den 1980ern der letzte Schrei, in den 2000ern veröffentlichten Entwickler wie "Telltale Games" ein interaktives Computerspiel nach dem anderen.

Nun, da auditive Formate wie Hörbücher und Podcasts auf dem Vormarsch sind, kommt "Audory" genau zur richtigen Zeit. Dabei ist die "App" mehr als nur eine gute Idee im neuen Kleid. Sie ist eine Plattform für Nutzer und Autoren (sowie alle, die es werden wollen). Per Baum-Diagramm lassen sich Handlungsstränge und -verläufe eintragen. Darüber hinaus können Autoren direkt einen Sprecher wählen, der das Ganze später vertonen soll.

Max Roses Glaube an sein Produkt wurde übrigens belohnt. Die mutige Entscheidung brachte schließlich einen noch größeren Geldregen: Das Finanzinstitut "Sächsische Beteiligungsgesellschaft" toppte das Angebot der Löwen mit einer Investition von 300.000 Euro noch einmal um 100.000 Euro. Als stiller Gesellschafter ist diese am Gewinn beteiligt, statt Anteile zu bekommen. Max Rose hat weiter das Sagen über seine App. Seine integre Entscheidung zahlte sich aus.

Titelfoto: RTL / Bernd-Michael Maurer

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