Unterwäsche aus Sachsen: So gelang "bruno banani" der Durchbruch

Mittelbach/Sachsen - Designermode für das beste Stück des Mannes und schnöde Feinripp-Unterhosen in Kultobjekte verzaubern: Mit diesem Credo startete die bruno banani Underwear GmbH in Mittelbach (bei Chemnitz). Das Konzept ging auf und auch dank verrückter Werbung durch die Decke. Längst ist die Schlüpfer-Schmiede ein sächsischer Markenbotschafter. Im November feiert sie ihren 33. Gründungstag. Die Fäden laufen heute in einer neuen Firmenzentrale in Chemnitz zusammen. TAG24 hat nachgeschaut, was die Sachsen drunter tragen.

Jan Jassner (53), Geschäftsführer der bruno banani underwear GmbH, kann mit Stolz sagen: Überall in Europa trägt man seine Unterwäsche.  © Kristin Schmidt

"Bruno Banani" - wie kommt man eigentlich auf diesen Namen für ein Unterwäsche-Label? "Es sollte nach italienischer Mode, Stardesigner, aber mit dem Slogan 'not for everybody' - nicht für jedermann - auch ein bisschen selbstironisch klingen", erklärt Jan Jassner (53), Geschäftsführer der bruno banani underwear GmbH.

Sein Vater Wolfgang war 1993 Mitgründer des sächsischen Unterwäschelabels in Mittelbach (bei Chemnitz). Die Näherinnen des VEB Trikotex dort hätten sich nie träumen lassen, dass sie über Nacht statt eintöniger Feinripp-Liebestöter nun fesche Höschen schneidern würden.

Die Nacht war jene zum 1. November 1993, als das Label gegründet wurde. Mit "Bruno Banani" hatte die verschworene Männerclique aus Hugo Boss, Calvin Klein, Tom Tailor und Jack & Jones plötzlich einen neuen Anführer.

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Die stylischen Boxershorts, Slips und Strings aus Sachsen waren 1000 Tage nach Firmengründung Marktführer im Segment Herrenunterwäsche.

Das Erfolgsmodell des neugeborenen Platzhirsches war clever ausgedacht: ein Mix aus hochwertigen Stoffen, bedruckt mit ausgefallenen Designs, die mit einem frechen Marketing in die Umlaufbahn der Unterwäscheschubladen geschossen werden - im wahrsten Sinn.

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Wo alles begann: In der frisch sanierten Produktionsstätte des VEB Trikotex in Mittelbach (bei Chemnitz) befindet sich heute ein Outlet-Store.  © Kristin Schmidt
"Mindestens 30 Prozent reduziert": Bezahlbarer Designer-Schick in Outlet-Stores wie hier in Mittelbach, wo 1993 die Firmengeschichte begann.  © Kristin Schmidt

Mittlerweile produziert "Bruno Banani" in China und Bangladesch

Früher Näherin, heute Qualitätssicherung: Angela Weichert prüft Normen und Nähte. Sie verschenkt längst nur noch Unterwäsche statt Pralinen zu Geburtstagen.  © Kristin Schmidt

Angela Weichert ist seit 32 Jahren in der Firma: "Ich habe als Näherin angefangen, arbeite heute in der Qualitätssicherung."

Sie misst nach, ob Lieferanten die Größenvorgaben einhalten, prüft die Qualität der Stoffe. Denn inzwischen lässt Bruno Banani nur noch in China und Bangladesch produzieren - der Kosten wegen.

Bei Weicherts Kontrollen kommt die Leibwäsche aus Fernost auf den Prüfstand. Manchmal deckt sie dabei Unterteile auf, die Textilfarbe auf der Haut hinterlassen.

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"Damit fiel ein pink-dunkelblauer Bund eines Höschens nach mehrfachen Reklamationen in unserem Online-Shop auf." Das Teil wurde mit einem Verkaufsbann belegt.

Probetragen gehört nicht zu Weicherts Jobprofil. Langzeittests überlässt sie ihrem Ehemann und nimmt sich dafür quasi Arbeit mit nach Hause.

Daher weiß sie: "Die Nähte sind so gut, dass mein Mann manche Shorts schon seit zehn Jahren tragen kann."

Riesiges Lager! Wäschewächterin: "Jedes Jahr gehen bei uns etwa eine Million Artikel ein"

Herr über zwei Etagen voller Slips und Shorts im Kommissionierlager: Andreas Hoffmeister (56), Leiter Lager und Logistik.  © Kristin Schmidt

Im hauseigenen Kommissionierlager wartet permanent neue Arbeit auf die Wäschewächterin. "Jedes Jahr gehen bei uns etwa eine Million Artikel per Containerschiff aus Hamburg ein", sagt Sabine Bertram (45), Leiterin des Vertriebsinnendienstes.

Rekord waren einmal 100 voll bepackte Europaletten an nur einem Tag. "Aktuell verwalte ich 263.000 Teile von 6070 Artikeln in verschiedener Größe und Farbe", weiß Lagerleiter Andreas Hoffmeister (56) zu erzählen.

Im Außenlager bei Spediteur Schenker gleich um die Ecke warten noch einmal 900.000 Teile auf über 1000 Palettenstellflächen. Längst schmückt sich auch Damenunterwäsche mit dem bb-Logo und zur Underwear kam Beachwear ins Programm.

Die Chemnitzer Firmenzentrale mit derzeit 30 Mitarbeitern beliefert damit zwölf eigene Outlet-Geschäfte in Deutschland, Salzburg (Österreich), Brenner (Italien) und Roppenheim (Frankreich). Markenumsatz 2025: rund 140 Millionen Euro.

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Freche Farben, körperbetonte Formen: Sabine Bertram (45), Leiterin des Vertriebsinnendienstes.  © Kristin Schmidt

Unterwäsche aus Sachsen in ganz Europa beliebt

Schaulaufen für sächsisches Drunter-Wunder: Models präsentieren beim Fashion Day 2025 in der Chemnitzer City Unterwäsche von "Bruno Banani".  © Kristin Schmidt

Außerdem gehen die Unterwäsche, aber inzwischen auch Düfte der Kultmarke über die virtuellen Ladentische des firmeneigenen Online-Shops.

Dazu werden zum Beispiel Schirme, Schuhe, Portemonnaies, Bekleidung, Brillen, Schmuck und Heimtextilien über europaweit sieben Lizenzpartner vertrieben.

Die Textur der Textilien wechselt zweimal im Jahr für den Fachhandel und monatlich für die Outlets und den Online-Shop. "Neue Ideen und Motive kommen dabei von internationalen Designern", sagt Sabine Bertram.

Verkaufsstatistiken belegen: Würden sich die Europäer entblättern, käme vor allem bei vielen Skandinaviern, Österreichern, Schweizern, Tschechen und Polen bruno-banani-Unterwäsche zutage. Bei Deutschen sowieso.

"Unsere Zielgruppe hat kein Alter. Wir zielen auf Junge und Junggebliebene, die modisch interessiert sind", sagt Jan Jassner. Eben "not für everybody, but for you" (... aber für dich), wie der Firmenslogan weitergeht.

100 Outlet-Mitarbeiter in zwölf Outlet-Stores: Inzwischen verkauft Bruno Banani auch Portmonees in seinen Läden mit Fabrikverkauf.  © Kristin Schmidt
Wenn der Geburtstag zum Design wird: Shirt zum 30-jährigen Betriebsjubiläum.  © Kristin Schmidt
Lagerlogistik, Einkauf, Vertrieb, Buchhaltung, Personalwesen: neue Firmenzentrale aus kantigem Glas und schwarzem Stahl in Chemnitz.  © picture alliance/ZB/Jan Woitas

Clevere PR-Coups

Merkel und das halbe Kabinett halbnackt in Dessous: Bruno Banani zog Politiker aus und damit neue Kundschaft an.  © picture-alliance/ZB

Freche Werbung ließ die Schlüpfer in so manche Schrankschublade schlüpfen. So durchquerten 1996 Bruno-Banani-Slips auf der Haut von Abenteurer Achill Moser von Jerusalem nach Simbabwe die Wüste, überlebten ein Jahr später hauteng auf Sportlerkörpern den australischen Dschungel.

1998 hob Unterwäsche zur Raumstation "Mir" ins All ab. Kosmonauten wie Nikolai Budarin testeten die Sachsen-Schlüpfer bei Schwerelosigkeit.

Von ganz oben ging's 2001 nach ganz unten: Die Unterhosen mussten sich bei einer Tiefseeexpedition im Bermudadreieck in 4800 Meter Wassertiefe bewähren. Während dabei Styroporbecher vom Wasserdruck geschrumpft wurden, hielt die Wäsche dem Druck stand.

2007 schickten die Chemnitzer anlässlich der Abwrackprämie für Altautos Unterwäsche an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Politiker aus ihrem Kabinett.

Begleitslogan: Wir geben alles, um die Nachfrage anzukurbeln. "Während Angela Merkel und Ursula von der Leyen die Unterwäsche zurückschickten, bedankte sich Cem Özdemir, dass er figürlich so gut rüberkommt", erinnert sich Geschäftsführer Jan Jassner an die gezeichneten Karikaturen.

"Guido Westerwelle war die Wäsche zu groß. Er orderte kleinere und zudem mit mehr Gelb statt Schwarz/Rot. Er bat zudem darum, den Werbeerlös an die AIDS-Stiftung zu spenden."

Modeschauen mit Eyecatcher: Senior-Chef Wolfgang Jassner mit Ehefrau Inge und "Bodygards" 2007 bei der Vorstellung der neuen Frühjahrskollektion.  © Peter Zschage
Werbung mit Doppeleffekt: Der tongaische Rennrodler Fuahea Semi benannte sich in Bruno Banani um - zur besseren Vermarktung von Sportler und Unterwäsche-Label.  © imago/sportfotodienst

Einen besonderen Coup landete die Firma 2014 zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Ein Rodler aus Tonga hatte seinen Namen offiziell extra in Bruno Banani ändern lassen. Als "zufälliger" Namenszwilling der Chemnitzer Unterwäscheschmiede fuhr Banani in Sotschi auf den 32. Platz - als erster Polynesier bei Olympischen Winterspielen.

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